Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
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103
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2. Kap.j Unabhängigkeitserklärung Belgiens. 103

Als der Congreß ihn nicht zum Präsidenten der Republik wählte, sondernsich für die monarchische Regierungsform anssprach, dankte er am näm-lichen Tage ab, obwohl seine Kollegen auf Bitten des Kongresses noch imAmte blieben, und reiste, als „Ketzer, Freigeist und heimlicher Jude" verfolgt,wieder nach Paris. Ein Glück für Belgien, daß er fort war und nichtmehr die diplomatischen Arbeiten der geschickten Advocaten Nothombund van deWeyer stören konnte.

Der Nationalcongreß wählte den Baron Erasmus SurletdeCho-kier zum PräsidentenundHerrnvon Ger lache zum Vicepräsidenten. Am18. November sprach er die Unabhängigkeit Belgiens aus, jedoch unterVorbehalt der Verhältnisse Luxemburgs, woraus sich am 22. die Mehr-heit (174 gegen 13 Stimmen) für die monarchische Staatssorm entschied.Ueber die Person des Regenten war man zwar noch uneinig; allein sovielstand fest. daß kein Dränier den Thron mehr besteigen durfte. Die fran-zösische Regierung, der man Offerten hinsichtlich der Wahl des Herzogsvon Nemours zum König der Belgier machte, fürchtete den Ausbruch einesallgemeinen Krieges, wenn sie in dieses Anerbieten willigte, und rieth zurWahl des Prinzen von Dramen. Trotzdem ging am 24. November Ro-denbach's Antrag: „Die Ausschließung aller Dränier für ewige Zeiten vombelgischen Throne", mit einer Mehrheit von 161 gegen 28 Stimmendurch.

Was den Belgiern zu diesem entschiedenen Vorgehen gegen dasHausOranien Muth machte, war die Stimmung der Großmächte. Au diese,als die Garanten des Pariser Friedens und der Wiener Congreßacte, hattesich schon König Wilhelm im October gewandt. Darauf waren in Lon-don die Gesandten der Großmächte: Esterhazy, Talleyrand, Aberdeen,Bülow und Matuszewicz zusammengetreten und hatten beiden Theileneinen Waffenstillstand auf Grund des «tntus quo vorgeschlagen, und sichdas Recht zuerkannt, zwischen beiden Parteien zu vermitteln. Das einzigeRußland zeigte sich feindlich gegen die Belgier und drohte mit Krieg, wenndas Haus Oranien seiner Rechte auf die südlichen Provinzen verlustig er-klärt werden sollte. Dagegen hegten Preußen, Oesterreich und Englandeinen kleinen Groll auf Wilhelm, weil dieser die durch den Wiener Con-greß zugesicherte Freiheit der Rheinschifffahrt bis ins Meer (susqu'-r I»wer) mit allerlei Ausflüchten und Wortverdcehungen gehindert und amAusfluß des Rheins in das Meer Zölle erhoben hatte. Das französischeGouvernement Lasfitte war nicht blos von Sympathien für die Belgierbeseelt, sondern erblickte auch in der Aufrichtung eines befreundeten, seineschwächste Grenze schützenden Staats die beste Gewähr gegen ausländischeInvasionen. Die polnische Revolution zwang Rußland, das schon gezückteSchwert in der Scheide zu halten. Mithin war die politische Konstellation