Band 
(1815 - 1854)
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Die Londoner Conferenz.

(2. Kap.

den Belgiern günstig. Die Londoner Conferenz verständigte sich nundahin, daß man England und Frankreich die Ordnung der belgischen Angele-genheiten überließ (1. October1832), während die nordischen Großmächtefreie Hand in Deutschland, Italien und Polen erhielten. Am 15. December1830 kam der Waffenstillstand zwischen Belgien und Holland zu Stande,und am 20. Januar 1831 eröffnete Holland auch die Scheide, welchedem offenen Meere gleichgestellt wurde. Zu gleicher Zeit hoben die Belgierdie Belagerung von Mastricht auf, während die Londoner Conferenz Bel-gien für einen unabhängigen Staat erklärte, und ihm die Grenzen von1790 zusprach, mit Ausnahme des aus anderen Rechtstitelu dem HauseNassau zugehörigen Großherzogthums Luxemburg. Durch Protokoll vom27. Januar wurden die niederländischen Staatsschulden getheilt und einTheil dem neuen belgischen Staate zugewiesen. König Wilhelm gab am18. Februar den Schritten der Londoner Conferenz seine Zustimmung.Indeß geschah dies mehr aus augenblicklicher Bedrängniß und aus demStreben, Zeit zu gewinnen, als aus aufrichtiger Friedensliebe. Denn nochhoffte der König von den Umtrieben der manischen Partei zu Gunstenseines Sohnes einige Erfolge in Belgien. Auch war es ihm nicht unbe-kannt, daß Louis Philipp mit der Wahl des Herzogs von Nemours zum bel-gischen König, welche der Nationalcongreß getroffen hatte (3. Februar1831),nicht übereinstimme. Von den übrigen Throncandidaten hatte das HausOranien nichts zu fürchten; denn für Otto von Baiern sprach keine ein-zige Stimme von Bedeutung, und gegen den Herzog von Leuchtenberg,als einen Napoleoniden, erhob Frankreich gerechte Bedenken. Die Belgierwaren in großer Verlegenheit, als Louis Philipp im Namen seines un-mündigen Sohnes den belgischen Thron ablehnte. Um wenigstens die er-sten Uebelstände eines Provisoriums: Schwanken der öffentlichen Meinung,Wahlumtriebe, Anarchie und Stellenjägerei zu beseitigen, wählten sie denBaronSnrlet de Chokier, einen Ehrenmann von gemäßigten Grund-sätzen, zum Regenten (24. Februar). Da zeigteihnen die Londoner Conferenzeinen Ausweg, indem sie die Blicke des Nationalcongresses auf den Prin-zen Leopold von Sachsen-Cobnrg lenkte. Am 4. Juni erfolgte seineWahlmit der großen Majorität von 152 gegen 34 Stimmen. Leopold nahmden 26. Juni 1831 die Krone an, jedoch unter der Bedingung, daß derNationalcongreß auf die von der Conferenz festgesetzten achtzehn Artikeleinginge. Die achtzehn Artikel überließen nämlich Luxemburg, Mastrichtund die Schuldentheilung der Zukunft, oder machten sie vielmehr von Se-paratunterhandlungen abhängig. Der Congreß, noch mehr aber das Volk,nahm diese Bedingungen zwar mit Unwillen auf; bald kehrte jedoch dieBesonnenheit zurück; das Bedürfniß der Ruhe trat ein, und der Congreßentschied sich mit 126 gegen 70 Stimmen für Annahme der achtzehn Ar-tikel (9. Juli). Kurz daraus erschien Leopold in Brüssel, beschwor am 21.