2. Kap.) Chlopicki's Stellung zu den Parteien. 115
und wurde von dem begeisterten Volke und Militair jubelnd als Dictatorbegrüßt.
Wenn Chlopicki größere Thätigkeit entwickelt, der Nationalsachefreudig entgegengekommen, durch Lithauens und Volhyniens Jnsurgirungdie Streitkräste Polens verdoppelt und den Rüste» entzogen hätte, wenner mit Einem Wort sich mit Leib und Seele der Revolution angeschlossenund nach seinen früheren militairischen Erfahrungen gehandelt hätte,so würde eine strenge Dictatur die Parteiungen niedergehalten und Polenzum Vortheil gereicht haben. Statt dessen unterhandelte Clopicki mit Ruß-land, zeigte sich hoffnungslos aus Ueberzeugung, und verbot jeden Einfallin Lithauen, wozu die Obersten Chrzanowski und Prondzinski schon denPlan entworfen hatten, um die dort beabsichtigte Erhebung des Landvolkszu unterstützen. Chlopicki behielt sogar bei allen öffentlichen Acten denNamen des Königs Nikolaus bei, schloß die Clubs und wachte ängstlichüber jeder Spur von Aufregung, die in Zeiten wo man einen feindlichenAngriff erwartet, gar nicht zu vermeiden ist. Bald war Chlopicki denDemokraten verhaßt; Anschläge gegen sein Leben wurden geschmiedet. —Das polnische Volk und Chlopicki befanden sich beiderseits in einer son-derbaren Täuschung. Die Revolution suchte einen Feldherrn und fandihn nur in Chlopicki; dieser suchte dagegen Gehorsam bei einem Volke,das sich zum letzten Kampf für seine Unabhängigkeit rüstete und schon zuweit gegangen war, um das Schwert wieder in die Scheide zu steckenund sich den Russen zu überliefern. Chlopicki glaubte ein erregtes Volkmit Gründen der Klugheit und Vernunft wieder zur Ruhe bringen zukönnen, während dieses nur aus den Moment wartete, wo es der Dictatorin die Schlacht führen würde. Wenn der polnischen Sache überhauptnoch aufzuhelfen war, so vermochte dies nur ein rasches und kühnes Hin-überspielen des Krieges in die ostpolnischen Provinzen. Chlopicki's Po-pularität beraubte die Polen dieses militärischen Vortheils; das Schwankenund die Unschlüsstgkeit der Parteien, ja die Hoffnung, mit der sie sichtäuschten, daß Chlopicki durch die Verhältnisse weiter geführt werdenwürde, als er wollte, hielt den inzwischen versammelten Reichstag ab, dieGewalt einem Manne zu entziehen, der den Geist der Nation so wenigbegriff, daß er den ganzen Unabhängigkeitskampf derselben wieeinen Streich unbesonnener Jünglinge auffaßte. Uebrigens war esnicht Chlopicki's Schuld, wenn er falsch verstanden wurde. Als am 17.December sich eine Reichstagsdeputation, mit Czartoryski an der Spitze,zu ihm begab und ihn zur Offensive ermunterte, erklärte er als „sein sreiesund unabänderliches Glaubensbekenntniß", das er nicht erst „vor Land.boten motiviren werde". Folgendes: „Er habe Nikolaus Treue geschworenund werde sie halten. Hier stehe er im Namen des konstitutionellen Kö-nigs und werde nicht die mit Rußland vereinigten Provinzen mit den
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