Band 
(1815 - 1854)
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118
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Die beiden Schlachten von Grochow.

s2. Kap.

Diebitsch griff deshalb am 20. Februar die Polen noch einmal bei Gro-chow an, ohne den geringsten Vortheil erreichen zu können. Das berühmteErlenwäldchen von Grochow wurde von dem vierten Regiment mit uner-schütterlicher Tapferkeit vertheidigt, und dort fand stch der seit 1826 inGlogau gefangene, jetzt entsprungene General Uminski zu ihm. Die Russenverlangten am 21. Februar Waffenruhe zur Bestattung ihrer Todten,deren sie 4000 zählten. Sie wurde ihnen ohne Anstand gewährt.Diebitsch wollte nämlich Zeit gewinnen und seinen rechten Flügelunter Schachoffski heranziehen, und dann bei Warschau die Ent-scheidungsschlacht liefern. Schachoffski's Corps, 24,000 Mann,wurde jedoch am 24. Februar bei Bialolenka von Malachowski undJankowski angegriffen und am 25. Morgens, nachdem auch Krukowieckiherbeigekommen, heftig bedrängt. Diebitsch beschloß. um Schachoffski zuretten, schon jetzt die Hauptschlacht zu schlagen. Er griff deshalb, am25. Februar, früh um 9 Uhr, noch einmal das von Gräben durchschnitteneErlenwäldchen bei Grochow an. Dreimal stürmten es die Russen, drei-mal wurden sie wieder hinausgeworfen. Das vierte Regiment unterSkrzynecki verrichtete Wunder der Tapferkeit. Chlopicki zeigte sich überall,wo Gefahr drohte; sein grauer Ueberrock war von Kugeln durchlöchert, zweiPferde waren unter ihm gefallen. Mit einer kurzen Pfeife, ohne gezogenenDegen führte er immer neue Bataillone unter dem Gesang: „Nochist Polen nicht verloren" heran. Diebitsch raffte die letzten 36 Bataillonezu einer furchtbaren Angriffscolonne zusammen, und drängte die Polenbis an den zweiten Waldgraben zurück. Chlopicki befahl nun Kruckowieckiund Lubienski, mit der Reiterei vorzugehen und die russische Cavalerieaufzuhalten. Beide verweigerten den Gehorsam. Chlopicki ritt zu Radzivillum von diesem den Befehl auszuwirken und kehrt darauf in den wüthendenKampf zurück. Da stürzt sein drittes Pferd und eine zerspringende Granateverwundete ihn an beiden Füßen. Auf Sensen wurde er zur Stadt getragenund späterhin nach Krakau gebracht, wo er der Heilung wartete. DiePolen waren nun ohne Leitung, Radzivill betäubt, die polnischen Batte-rien theils demontirt, theils glühend heiß. Nur Skrzynecki behielt seinevolle Besinnung; er zog alle disponiblen Streitkräste heran und wichlangsam zurück, gedeckt von Krukowiecki's Division, die, erst am Nachmittagvon Schachoffski abgelassen und dem rechten Flügel, freilich zu spät,zu Hilfe geeilt war. Die Russen hatten 12,000, die Polen über 6000Mann verloren. Der Chef des russischen Generalstabs, Graf Toll, be-schwor seinen Oberfeldherrn, ihm eine Grenadierdivifion und 150 Kanonenzugeben, um Praga in der Dunkelheit noch zu stürmen. Diebitsch, der dieTapferkeit der Polen fürchten und ehren gelernt hatte, verweigerte es, da dieRussen alle errungenen Vortheile aus einmal verlieren konnten. Er ließ seineTruppen vielmehr ausruhen und vertheilte sie zwischen Pultusk und Zelechow,