Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
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119
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2. Kap.) Johann Skrzynecki, Oberbefehlshaber. 119

Er selbst wohnte zu Siennica. Diese kostbare Zeit benutzten die Polenzur Verstärkung und Reorganisation ihres Heeres. Radzivill dankte ab;die Generale schlugen Skrzynecki, den Liebling des Tages, zum Oberbe-fehlshaber vor und derReichstag stimmte bei. Ein so guterDivisions-general Skrzynecki war, ein so schlechter Feldherr war er, da erkeine Kenntniß vom Gebrauch der Artillerie und Reiterei und keinen Be-griff von einer Armee-Operation hatte, nicht mit höherer Umsicht eine Schlachtzu leiten, oder die Schwächen eines Feindes zu benutzen verstand. Auch Jo-hann Skrzynecki war, wie Chlovicki, in Galizien geboren (1786),hatte unter Napoleon mit Auszeichnung gedient und es bis zum Majorgebracht. Er wollte eigentlich studiren und wahrscheinlich Geistlicherwerden. Diese Beschäftigung hing dem späteren Militair nochimmer cn. Sein ganzes Wesen hatte einen bigott katholischen An-strich, weshalb man ihn öffentlich nur aus dem Exercierplatze oder inder Messe sah. Von ritterlicher Gesinnung, hoher, stattlicher Figur,frommen, klaren Augen, mit zuversichtlichem, gottvertrauendem Blick, warer mehr dei conservativen Richtung Czartoryski's, als der revolutivnairen,zugethan. Seine Gesinnung stand im Widerspruch mit dem verantwort-lichen Amt eines Ansrührerchess. Er fühlte dies wohl, aber er meinte:„Es sei gewiß eine Fügung Gottes. daß man ihn zum Oberanführer ge-wählt habe." Sich selbst beruhigte er mit dem Spruche: „ daß alle Ge-walt von Gott ausgehe, und der Mensch sich daher jeder Regierung fü-gen müsse." Ueberzeugt von der Unmöglichkeit eines jahrelangen Wider-standes, knüpfte Skrzynecki Unterhandlungen mit dem russischen Feldmar-schall an, verlangte Garantiern für die Aufrechthaltung der Charte undeine allgemeine Amnestie. Diebitsch ließ durch seinen Adjutanten antwor-ten, daß erst die Thronerledigungserklärung zurückgenommen werdenmüsse, ehe an Unterhandlungen zu denken sei. Um so mehr spornten Skrzyneckiund Czartoryski ihre Agenten in Paris und London an, die InterventionEnglands und Frankreichs für Polen zu erwirken.

Noch unter Chlopicki's Dictatur hatten sich Wolycki nach Paris,Wielopolski nach London begeben und dahin die Papiere Konstantin'smitgenommen, aus denen deutlich hervorging, daß der Kaiser Niko-laus alle Anstalten getroffen hatte, im Frühjahr 1831 gegen Frankreichzu Felde ^u ziehen. Louis Philipp wies daher die Bundesgeuossenschaftder Polen nicht zurück, sondern sandte den Herzog von Mortemart nachPetersburg, um Jedzierski's Vorschläge zu unterstützen. Auf weitere Zu-sagen ließ sich das französische Ministerium nicht ein, da Chlopicki fort-während mit Petersburg unterhandelte, und Palmerston dem Pariser Ca-binet bemerklich machte, man möge nicht das gute Einvernehmen mit Ruß-land stören, da die Unterhandlungen jeden Augenblick zum Ziele führenkönnten. Palmerston wollte vor allen Dingen klar sehen und die Stel-