120 Unterhandlungen mit Oesterreich, England und Frankreich, p. Kap.
lung der Polen zum Kaiser war nichts weniger als klar, da die letzterenfortwährend blos die Konstitution zu vertheidigen vorgaben, was die Tren-nung von Rußland nickt in sich schloß, und doch die Waffen auch für na-tionale Selbstständigkeit und Freiheit gegen ihren rechtmäßigen Herrnund Gebieter erhoben hatten. Nach der Thronerledigungserklärung vom25. Januar 1831 war die Situation durchsichtiger geworden. Palmer-ston interesfirte sich nun für die polnische Sache, die Rußland an einersehr empfindlichen Stelle verwunden konnte. Zudem erhielt Polen einenmächtigen Bundesgenossen an Oesterreich, das mit geheimer Schadenfreudedie Bedrängnis des russischen Czaren ansah, und sogar seinen Consulfortwährend in Warschau ließ. Pferde, Munition, Waffen und Lebens-mittel konnten ungehindert aus Oesterreich nach Polen gehen, und keinerder übergetretenen Polen wurde an Rußland ausgeliefert. Metternich rächtesich jetzt für den Frieden von Adrianopel. Dazu kam den Polen die öffent-liche Stimmung des österreichischen Volkes zu Statten, namentlich derslavischen und ungarischen Provinzen, wo der Sauerteig der Julirevo-lution gewaltige Blasen trieb, während die halbe österreichische Armee sichmit der Stillung der italienischen Unruhen beschäftigte. Um jeden Aus-bruch der Unzufriedenheit in den alten Kaiserstaaten zu verhüten und Rußlandempfindlich zu treffen, soll Metternich der revolutionairen Regierung in War-schau haben eröffnen lassen, daß Oesterreich seine Hand zur Wiederherstellungder polnischen Nationalität bieten und sogar Galizien abtreten wolle, wenndie Polen einen österreichischen Prinzen zum Könige wählen und wennder Vorschlag dazu von Frankreich und England gemacht würde.
Dies geschah am Tage der ersten Grochower Schlacht, wo der Reichs-tag den muthigen Entschluß faßte, auch nach dem Falle Warschaus nochfortbestehen zu wollen, überall, wo sich dreiunddreißig Landbotcn und elfSenatoren zusammen fänden. Die polnische Regierung sandte sofort denGrasen Wa lewski als außerordentlichen Botschafter nach Paris undLondon, um beide Cabinete für den österreichischen Plan zu stimmen.Das französische Ministerium erklärte sich bereit, voranzugehen, aberPal-merston wollte Schweden und die Türkei vorschieben. Diese sollten dieVermittelung zwischen Rußland und Polen übernehmen, die Vorschlägemachen und England und Frankreich wollten beide Mächte kräftig un-terstützen.
Hierüber ist nun Folgendes erzählt. Der schwedische Thron wäre, wieder französische, durch Rußland bedroht gewesen, welches allen Ernstes mit derWiedereinsetzung der Wasas umgegangen sei. Karl Johann habe es gewußtund schon im Sommer 1830 mit mehreren unzufriedenen Polen Privatunter.Handlungen angeknüpft, die sich darum drehten, ob Schweden auf die Polenrechnen könne, wenn es vom Kaiser angegriffen würde. Beim Ausbruch derpolnischen Revolution habe daher Karl Johann dem Kaiser zuvorkommen und,