2. Kap.) Unterhandlungen mit Schweden und der Türkei. 121
im Einvernehmen mit den Wünschen seines Landes, den verhaßten RussenFinnland wieder abnehmen wollen. England schürte heimlich das Begeiste-rungsfeuer der Schweden für Polens Freiheitskamps; schwedische Agentensondirten die Stimmung der Finnen. Karl Johann habe auf dem Punkte ge-standen, loszuschlagen; da habe Rußland die Gefahr gemerkt und eingelenkt,indem es dem Stockholmer Hofe seinen ewigen Schutz versprach. DerKönig werde sich doch nicht mit der Revolution verbinden, die ihn eben-falls überraschen könne; die Polen würden bald besiegt sein, und derKaiser dann Die, welche seine Bedrängniß gesteigert hätten, streng züchtigen.Besonders gewann der russische Gesandte, Graf Süchtelen, desKronprinzen Vertrauen und lud ihn nach Petersburg ein, wo er ganz fürRußland gestimmt wurde und dann auch auf den König in diesem Sinnewirkte. In dieser Zeit kam der polnische Abgesandte Zalucki nach Schwe-den, um den Hof im Palmerston's Sinne zu bearbeiten. Wie erstaunte er, alser angehalten und zurücktransportirt wurde, und die Antwort empfing, daßdie schwedische Regierung sich in keine Verbindung mit Rebellen einlassenmöge. . Ein neuer Versuch Laffitte's und Palmerston's bei Karl Johannscheiterte insofern, als Dieser erklärte, er wünsche zwar ebenfalls die Un-abhängigkeit Polens, aber warum solle er sie znerst von Rußland for-dern, da die Großmächte England und Frankreich davor zurückschepten?
Günstiger schien den Polen das Glück bei der Pforte zu sein, welchedie Demüthigungen des letzten Kriegs noch nicht verschmerzen konnte.Wylocki begab sich nach Konstantinopel und suchte mit dem französischenGesandten Guilleminot den Sultan zum Kriege gegen Rußland zubestimmen. Die Bemühungen Beider hatten den besten Erfolg; Mah-mud II. versprach, Ende Mai 300,000 Mann des allgemeinen Aufge-bots an den russischen Grenzen aufzustellen. Unbekümmert um die Aus-stände in Albanien und Bosnien, denen Rußland nicht fremd war, reizteder Sultan die kaukasischen Völker und Persien zum Kriege wider den ge-meinsamen Glaubens- und Nationalseind auf. Guilleminot hatte denSultan nämlich überredet, daß nächstens alle Mächte gegen Rußland los-schlagen würden. Die Sache wurde von der. russischen Diplomatie er-späht, welche den preußischen und österreichischen Gesandten in ihr In-teresse zog. Die französische Regierung, darüber zur Rede gesetzt, erschrackso gewaltig, als ihre öffentlich dargelegte Friedensliebe compromittirtwurde, daß sie Guilleminot desavonirte und abrief (3. April 1831).England, nicht mit im Geheimniß, glaubte sich von Frankreich verrathenund gab dem Sultan den Rath, die Rüstungen einzustellen und Rußlandseiner sreundnachbarlichen Gesinnung zu versichern. Auch Oesterreich wurdeden Polen untreu. Theils trug daran Skrzynecki's Zauderpolitik, theilsder Abscheu vor einer Verbindung mit den Polen, theils russisches Geld