Band 
(1815 - 1854)
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128
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Iwan Feodorowitsch Paskewitsch.

(2. Kap.

darauf erhielt er die Statthalterschaft jener Provinz und den Oberbefehlgegen die Perser, und zeichnete sich durch große Vorsicht in seinen Kriegs-operationen, wie durch liebreiche Fürsorge für die Verpflegung der Mann-schaften aus. Die besten Erfolge harrten seiner. Er zwang Perfien zumFrieden von Turkmantschai (1828) und trug durch seine glücklichen Feld-züge in der asiatischen Türkei nicht wenig zum Abschluß des Friedens vonAdrianopel bei (1829). Darauf kehrte er nach Georgien zurück, um diekaukasischen Bergvölker zu bekämpfen, die er durch eine unangemesseneBehandlung sehr erbittert hatte, und die nun für ihre Freiheit und ihrenGlauben jenen Kampf begannen, der Rußland schon unendliche Opfergekostet hat. Paskewitsch erlitt selbst häufige Unfälle und war nahe daran,beim Kaiser in Ungnade zu fallen, als der verunglückte polnische Feldzugihn unentbehrlich machte. Dieser Mann erschien nun in Polen mit15,000 frischen Truppen; das Glück begünstigte ihn so, daß von nunan sein Name und Polens Untergang innig verknüpft wurden.

Paskewitsch führte zunächst die etwa 65,000 Mann betragendeHauptarmee aus den verwüsteten Gegenden der oberen Weichsel indie Landschaften der unteren Weichsel, um der preußischen Grenze nahezu sein. Während fast alle Regierungen, wenigstens anfangs, gegen Ruß-land Partei ergriffen hatten, hielt Preußen das gute Einvernehmen mitdem verschwägerten Czaren nicht nur aufrecht, sondern that auch Alles,um die lodernde Flamme des Aufruhrs ersticken zu helfen. Es entgingdem preußischen Cabinete nicht, daß Frankreich mit Polen öffentlich fra-ternisirte. Die Besorgniß, daß das freie Polen eine Waffe Frankreichs gegenDeutschland werden könne, wie die Dankbarkeit gegen den im Freiheits-kriege bewährten Bundesgenossen überwog in Berlin jede andere Rücksicht.Ein strenger Grenzcordon aus vier Armeecorps, angeblich gegen die Choleragebildet, hinderte die Communication zwischen Polen und dem Auslande,welches Gesandte, Couriere, Waffen, Geld und Lebensmittel den helden-müthigen Kämpfern zusandte. Dagegen verkehrten die Russen in Danzigund den Ostseeplätzen ungehindert, ohne die vorgeschriebene Quarantainezn halten und schleppten die Cholera nach Preußen ein. Paskewitschthat klug daran, sich nach den Grenzen dieser befreundeten Macht zuziehen, hier über die Weichsel zu setzen und, im Rücken gedeckt, Warschauvon der schwächeren Seite anzugreifen. Allein dieses Manöver warauch mit den größten Gefahren verbunden, wenn Skrzhnecki sich währenddes Flankenmarsches der russischen Armee bis Plock und Osiek, oder beimWeichselübergange, oder später auf dem linken Weichselufer auf die schwä-cheren feindlichen Abtheilungen mit Uebermacht geworfen und sie zerstreuthätte. Der polnische General that nichts von alle Dem. Paskewitschvollzog fast unbelästigt seinen Weichselübergang bei Wroclawek (27. bis 29.