Band 
(1815 - 1854)
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129
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2. Kap.) Zweideutigkeit Palmerston's; Lad Gielgud's.

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Juli). Skrzynecki ließ die Russen bis Lowicz heran, wo sie zwischen denZuflüssen der Bzura eine feste Stellung bezogen. Der Reichstag stellteihn darüber zur Rede und der Generalissimus versprach, eine Schlacht zuliefern. Bald nachher erklärte er, die Verantwortlichkeit dafür nicht aussich nehmen zu können, da die russische Stellung fast unangreifbar sei.Man möge ihn, so bat er mit thränenden Augen, nicht zu einer Schlachtzwingen, die das Schicksal des Vaterlandes aus Einen gewagten Wurf setze.

Dieses unbegreifliche Zaudern erklärt man aus den diplomati-schen Unterhandlungen, in welche sich Polen mit Frankreich eingelassenhatte. Damals ging nämlich eine Depesche des französischen MinistersSebastian- an Czartoryski ein, welche eine glückliche Beilegung der polni-schen Streitsache in nahe Aussicht stellte. Ebenso dringend mahnte derfranzösische Gesandte in Berlin, Flahaut, von einer Hauptschlacht ab;man möge noch zwei Monate den Krieg hinziehen, dann würde die Diplo-matie einschreiten. Palmerston, dem viel daran lag, die belgische Kroneauf das Haupt Leopoid's zu drücken, ließ nämlich gegen Talleyrand dieAeußerung fallen, daß eine baldige Annahme der 18 Artikel durch diebelgische Nationalversammlung, von welchen Leopold die Annahme derKrone abhängig machte, im Interesse beider Regierungen läge, da mansich nachher mit der polnischen Sache beschäftigen könne. Talleyrandtheilte Zalucki diese Aeußerung mit, welcher nichts Eiligeres zu thun hat,als nach Brüssel zu reisen und den belgischen Congreß zur Annahme der18 Artikel zu bewegen. Triumphirend kommt er zurück und Talleyrandfährt sofort bei Palmerston vor und unterrichtet ihn von den erfolgreichenBemühungen des polnischen Gesandten. Palmerston ist freudig überrascht;aber an das Schicksal Polens erinnert, weicht er aus und erklärt zuletzt,außer Stande zu sein, für die Insurgenten zu interveniren. Frank-reich mußte zum Lügner werden und die Hoffnungen, die es, im Vertrauenauf Englands Beistand, in den Polen erregt hatte, im September selbstdesavouiren. Sogar das, was sich anfangs gut anließ und ihren Muthentflammte, gereichte den Polen zum Fluch. Die Katastrophe nahte.

Bisher trösteten sich die Patrioten noch mit der Hoffnung, in Li-thauen das alte Polen wieder auszurichten, wenn Warschau erobert würde.Dieser Hoffnungsanker brach. Die polnischen Generäle Gielgud, Chla-powski, Rohland, Dembinski und Szymanowski hatten sich veruneinigt.Gielgud, der den Oberbefehl führte, war ein Schwachkopf und der gefähr-lichen Unternehmung nicht gewachsen. In langsamen Märschen ging daspolnische Heer auf Wilna los, das die Russen vorher mit einer starkenAbtheilung hatten besetzen können. Der Angriff auf die lithauische Haupt-stadt mislang; man wendete sich nach Samogitien, um Szawle zu nehmen.Die Ordnung löste sich im polnischen Heere, der Muth sank, als der Auf-stand beim lithauischen Bauer und Bürger nicht den gehofften Anklang

Weltgeschichte, IH. H