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Heinrich Dembinski.
12. Kap.
fand, und Desertion riß ein, als die Polen von einem dreifach schwächerenCorps bei Szawle in die Flucht gejagt wurden. Dembinski, der seineMannschaft vor der Berührung mit dem schlechten Geist der andern Corpshüten wollte, sonderte sich ab und marschirte allein. Gielgud verzagtebald, ließ sich von den Russen immer mehr nach der preußischen Grenzedrängen und überschritt dieselbe am 12. Juli, im nämlichen Augenblick,wo das Rohland'sche Corps mit klingendem Spiele herbeizog. Ein Offi-cier dieses Corps ritt über die Grenze, zog ein Pistol und schoß Gielgudmit den Worten: „Verschwinde Verräther!" nieder. Indeß mußten zwi-schen dem 13. und 15. Juli auch Chlapowski und Rohland in PreußenSchutz suchen. Man entwaffnete sie und führte fie in Depots ab; dasKriegsgeräth wurde aber an Rußland verabfolgt. Dembinski entkam mitseinem Corps. Der Verlorengeglaubte hielt mit 4000 Mann am2. August seinen von Jauchzen und Beifall begleiteten Einzug in War-schau, wo er der Abgott des Tages wurde. Er erschien Allen als derrettende Engel, welcher Skrzynecki ersetzen und das Heer zum Siege füh-ren müsse.
Heinrich Dembinski gehört unstreitig zu den interessantesten Er-scheinungen unter den polnischen Generälen. Der Sohn warmer Patrioten,wurde er in Galizien 1791 geboren, und nach dem Tode des Vaters1803, von seiner hochgebildeten Mutter, einer Gräfin Moszynski, erzogen.Körperliche Abhärtung, Kräftigung des Heldensinnes durch das Studiumder Geschichte, waren die Hauptgesichtsxunkte der mütterlichen Erziehung.Nachdem er von 1807 —1809 die Jngenieurakademie in Wien besucht hatte,floh er mit zwölf Begleitern nach Polen, um dem alten Vaterlande seinenArm zu leihen. Bei ihrer Ankunft fanden die Flüchtlinge Warschau schonvon den Oesterreichern besetzt. Entschlossen rief Heinrich Dembinski seinentrauernden Gefährten zu: Giebt es kein Polen mehr, so machen wir eins!und begab sich nach Krakau, zum Fürsten Poniatowski. Auf eigenenWunsch trat er als Gemeiner in das fünfte reitende Jägerregiment,da er nicht anders als auf dem Schlachtselde seine Beförderung erlangenwollte. Napoleon begleitete er als Lieutenant nach Rußland, ward wegenseiner Bravour bei Smolensk Hauptmann, und erwarb sich auf demRückzüge unter Sokolniki die schwere Kunst, mit geringen Streitkräftenüberlegene Truppenmaffen zu beschäftigen. Nach dem Wiener Congreßbewirthschafte er das Gütchen seiner Mutter, da er unter dem GroßfürstenKonstantin nicht dienen mochte, und erwarb sich durch glückliches Börsen-spiel ein Vermögen von 150,000 Thalern. Da brach die polnischeRevolution aus. Dembinski eilte mit allem disponibeln Vermögen nachWarschau, indem er sein Geld und sein Talent dem Vaterlande zumOpfer darbot. Chlopicki ernannte ihn zum Bataillonschef. Bald daraufwählte ihn die mobile Nationalgarde des Krakauer Palatinats zu ihrem