Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
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132
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132 Uebergabe Warschaus; Verrath Krukowiecki's. s2. Kap-

stand, den seine Dictatur fand, entmuthigt, kehrte er traurig ins Lagerzurück. Krukowiecki hielt dagegen in Warschau aus, wußte sich bei allenParteien beliebt zu machen und wurde vom Reichstag zum Präsidentender polnischen Republik ernannt. Als solcher übertrug er den Oberbefehldes Heeres dem tapfern, aber betagten Malachowski, während der verdäch-tige Chrzanowski das Gouvernement Warschaus erhielt.

Nun entfaltete Krukowiecki ein vollständiges Gewebe der Lüge unddes Verralhs über Polen. Er täuschte das Volk durch todesmuthigeProclamationen, zersplitterte aber das Heer so, daß eine längere Verthei-digung Warschaus unmöglich wurde. General Ramorino wurde nämlicham 21. August mit 20,000 Mann nach Podlachien, Lubienski nachPlockentsandt, um die Hauptstadt mit Lebensmitteln zu versorgen und die deta-chirten russischen Corps auf dem rechten Weichselufer zu zerstreuen. Ra-morino ließ sich jedoch von dem russischen General Rosen bis Brzesc lockenund weigerte sich, dem Befehl Malachowski's zu gehorsamen, da Kruko-wiecki die Gefahr für Warschau als unerheblich schilderte. Paskewitschließ sich diesen Vortheil nicht entgehen. Er schritt am 6. September zumSturm, um die polnische Hauptstadt zu erobern, ehe Ramorino zurück-kehrte. Warschau war mit drei Reihen Verschanzungen umgeben, an denenseit sechs Wochen von allen Altersklassen und Geschlechtern mit Feuereifergearbeitet worden war. Den Mittelpunkt der ersten Schanzenreihe bildetedas Dorf Wola, in der zweiten Reihe war die Vorstadt Czyste diewichtigste Position, die dritte Schanzenreihe machten Graben, Wall undPallisaden der Hauptstadt aus. Uminski führte den linken Flügel, dersehr stark war und aus 18,000 Mann bestand, da Paskewitsch auf die-sen denHauptstoß zu richten schien. Dembinski commandirte das Centrum,Routie den rechten Flügel. Beide zusammen mochten 16,000 Mann starksein. Bem befehligte die Artillerie. Krukowiecki hatte die Leitung derSchlacht an sich gerissen. Als nun die Russen wider Vermuthen den rech-t e n Flügel und Wo l a angriffen, vertheidigten sich zwar die Polen mitstaunenswerther Tapferkeit, unterlagen aber, da Krukowiecki keine Ver-stärkungen hinsandte und der nahestehende Rybinski auf Dembinski's undMalachowski's Bitten sich weigerte, dem rechten Flügel Beistand zu leisten.Entmuthigt zogen sich die Polen in die zweite Schauzlinie zurück. Kruko-wiecki und Prondzynski knüpften in der Nacht mit Paskewitsch Unter-handlungen an und suchten am 7. Morgens den Reichstag zu überzeugen,Laß nichts als völlige Unterwerfung retten könne. Entrüstet weigerte sichderReichstag, seine Zustimmung zu diesem schimpflichen Vertrage zugeben,und der Kampf begann Nachmittags um 2 Uhr auf allen Punkten wieder.Murawiew griff Uminski* bei der Jerusalemer Barriere an, wurde abermit furchtbaren Verlusten zurückgeworfen. Von zwei russischen Reiterregi-