Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
Seite
137
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2. Kap.j DaS literarische Leben Deutschlands. 137

melndcr Liebesgeschichten, als der Männer unwürdig, in die Boudoirs ver-liebter Frauen und gleichgesinnter Zofen verbannt wurde.

Zu derselben Zeit regten sich die deutschen Burschenschaften wieder,namentlich in Baiern, wo seit 1825 der kunstsinnige und patriotische KönigLudwig diese Verbindungen nicht nur erlaubt, sondern auch in der studi-renden Jugend Hoffnungen auf die Wiederherstellung eines Einigen Deutsch-lands erweckt hatte. Wie damals die Meinung des Publicums drei ver-schiedene Schattirungeu zeigte, eine conservativ-gläubige, eine liberal-ra-tionalistische und eine radical-nihilistische, so zerfiel auch die Burschen-schaft in drei verschiedene Verbindungen: die Teutonia, die Arminia unddie Germania. Diese Spaltung ging von Erlangen aus und datirt ausdem Jahre 1827. Bezweckte die Teutonia die Pflege des religiösenund vaterländischen Sinnes, strebte die Arminia nach sittlicher Kräftigungund wissenschaftlicher Tüchtigkeit, so pflanzte die Germania ihre Fahnein den Boden des unmittelbar - praktischen Lebens, indem sie ohne Um-schweif die Freiheit und Einheit des Vaterlandes herzustellen trachtete.Im Dunkel geheimer Verbindungen erstarkte die germanische Bur-schenschaft durch die Leitung unbekannter Oberen, über die nur wenigeEingeweihte unterrichtet waren. Ein freier, sogar frivoler Ton, herrschtein ihren geselligen Kreisen; leichtfertig übersprang man die heiligen Ge-setze der Sittlichkeit und spottete über weltliche und kirchliche Autoritäten.Die Schranken, welche die Studentenschaft von den übrigen Bürgerntrennten, schrumpften dagegen vor den Zwecken der Germania zusammenund friedlich verkehrten die Musensöhne mit den „Philistern", welche sie inihre Plane einzuweihen für gut fanden. Die Natur selbst schien da-mals die revolutionäre Partei zu begünstigen. Der Winter von 1829 zu1830 war ungewöhnlich streng. Anfang November stieg die Kälte auf10 bis 15 und später auf 25 Grad, eine mannshohe Schneedecke schnittdie Communication ab, Wölfe erschienen schaarenweise in der Nähe mensch-licher Wohnungen, Nachrichten von Todesfällen durch Hunger und Frostgehörten zu den Tagesneuigkeiten. Im Frühjahre folgte ein gefährlicherEisgang; alle Gewässer schwollen an, und rissen Häuser, Brücken undMenschen mit sich fort; zerstörende Stürme und Hagelwetter richtetengrausige Verheerungen an. Der Schrecken der immer näher kommendenCholera, die wahrhaft entsetzlichen Vorbereitungen, welche die Regierun-gen aus den Rath ängstlicher Aerzte dagegen trafen, das fühlbare Dar-niederliegen des Gewcrbfleißes, die Haudelsstockungen, die sich mehrendenBankerntte, die durch beinahe 50 Schlagbäume veranlaßte Lähmungalles Verkehrs drückten so empfindlich aus die Gemüther, und erzeugten,eine solche Reizbarkeit, daß jedes wichtige Ereigniß eine Entladung derGeister herbeiführen mußte. Parteizänkereicn in der Presse nahmen eineso bedenkliche Wendung und rührten allen Schmutz des Privatlebens der