Band 
(1815 - 1854)
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138
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Kurhessische Zustände.

(2. Kap.

Gegner so tief auf, als ob ein Kamps auf Leben und Tod bevorstände.Namentlich trat dies in der hämischen Denunciation zweier hochgeachteterLehrer der Hallischen Universität, Gesenius und Wegscheider,durch die Evangelische Kirchenzeitung hervor.

Die Julirevolution machte alle Elemente der Unzufriedenheit frei.Die Grenzlande verspürten den Ausbruch des Pariser Vulcans zuerst.So in beiden Hessen, Nassau und Rheinpreußen, wo die nothleidendeFabrikbevölkerung die Maschinen zerstörte und der unter Frohnden unddrückenden Steuern seufzende Bauer Kurhessens mit Wuth auf die Rit-tergutsbesitzer, die Beamten und die Zollhäuser stürzte. Die Mauthein-richtungen und Grenzzölle waren dort ein Gegenstand des tiefsten Haffes,Schmugglerbanden reizten das Volk zum Angriff auf die Grenzjäger;die Bürger der Städte, von Magistraten, die sich selbst ergänzten, bevor-mundet, wie dies namentlich in Sachsen und Kurheffen der Fall war,forderten RechnungSablegung und Theilnahme am Stadtregiment. End-lich warf sich das Verlangen auf staatliche Einrichtungen. Einführungconstitutioneller Verfassungen, wo sie noch nicht existirten, und Reformder vorhandenen, wurden die Tagesloosung. Betrachten wir zuerst Kur-hessen. Hier war am 27. Februar 1826 der Kurfürst Wilhelm I.gestorben, derselbe, welcher nach der Rückkehr in die Hauptstadt (1813)nicht nur den Zopf und das Exercierreglement von 1806 wieder einführte,sondern auch kein Avancement anerkannte, welches unter der westphäli-schen Regierung stattgefunden hatte. Sein Nachfolger Kurfürst Wil-helm H„ ein weiches, jedes Eindrucks empfängliches Gemüth, war durcheinen anonymen Drohbrief (1823) in eine mistrauische Stimmung ver-setzt worden und überließ sich ganz der Leitung einer habsüchtigen Mai-treffe , der zur Gräfin Reichenbach erhobenen Tochter des GoldschmiedsOrtleb in Berlin. Die wiederholt erbetene constitutionelle Verfassungblieb aus. Das Staatsvermögen war mit dem Privatvermögen des Fürsteninnig verschmolzen, und unterlag keiner Besteuerung; alle Lasten ruhtenauf den Schultern des armen, im Drucke der Unterthänigkeit schmachtendenLandbewohners und des Gewerbtreibenden, der sich durch die an denGrenzen ausgerichteten Schlagbäume überall beengt fand. Eine bedauer-liche Zerrüttung der Sittlichkeit durch den Schmuggelhandel, und eine inGewaltthaten sich äußernde Verachtung gesetzlicher Institutionen, war dieFolge dieser unerträglichen Zustände. Der Kurfürst suchte jene Uebelständezwar durch seinen Beitritt zum mitteldeutschen Handelsverein (Sachsen, Thü-ringen, Oldenburg, Nassau, Bremen und Frankfurt am Main) zu heben,belastete aber manche Industriezweige mit Zöllen und Verboten so stark,daß einige Fabriken ihre Thätigkeit einstellten, die Arbeiter entließen, undviele selbstständige Meister mit ins Verderben zogen. Das Volk schob fastalle Schuld davon aus die Gräfin Reichenbach und den unangemessenen