Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
Seite
139
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2. Kap,)

Excesse in Kassel; deren Folgen.

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Aufwand des Hofes. Eine Regung edlen Mitgefühls für die vernach-lässigte, aber im Lande beliebte Kurfürstin Auguste, eine preußischePrinzessin, erweckte in dem schlichten Volke zugleich einen tiefen sittlichenErnst. Die Heiligkeit des Ehebundes war durch das Oberhaupt des Staa-tes verletzt; an die Wiederherstellung desselben knüpften sich alle Wünscheund Hoffnungen des Landes auf glücklichere Zeiten.

Bald nach der Julirevolution war der Kurfürst nach Karlsbad ge-reist, um, wie man sagte, der Gräfin Reichenbach den Fürstentitel für dieihr gehörige böhmische Herrschaft Lessonitz beim Fürsten Staatskanz-ler in Wien auszuwirken. Das Gerücht einer gefährlichen Erkrankung desKurfürsten verbreitete große Unruhe in Kassel, zumal als der nach Karls-bad gereifte Leibarzt zurückkehrte, ohne vorgelassen worden zu sein. EineDeputation des Kasseler Magistrats, welche sich ebenfalls nach Karlsbadverfügte, brachte zwar die Nachricht von der Wiedergenesung des Kurfür-sten , seiner baldigen Rückkehr und der Versöhnung mit dem Kurprinzenmit, aber die Ereignisse waren inzwischen dem Kurfürsten vorausgeeilt.

Am 2. September 1830 versammelten sich auf Einladung des Bött-chermeisters Herbold dieZunftmeister, um die Mittel der Abhilfe der Nothzu berathen. Eine Denkschrift wurde aufgesetzt, um dem Kurfürsten mit derBitte um seine baldige Rückkehr und die Einberufung der Stände übergebenzu werden. Da das Ministerium die Urheber der Petition mit strengen Wor-ten tadelte, so griffen diese zu dem revolutionairen Mittel, die Volkshaufenaufzuwiegeln, um durch den Terrorismus ihre Wünsche zu erreichen. Unterdem Vorwande, das bedrohte Eigenthum zu schützen, sollte zunächst dieBewaffnung der Bürgerschaft erzwungen werden. Diese Absicht wurde er-reicht. Am 6. stürmten Pöbelhaufen mehrere Bäckerläden und am 7. wardie Bürgerwehr eingeführt. Kaum war der Kurfürst mit dem Prinzenam 12. September zurückgekehrt, als sich eine Deputation des Stadtraths,geführt von dem Bürgermeister Schomburg und dem Böttcher Her-hol d, ins Palais begab, um dem Kurfürsten mehrere Beschwerden undWünsche, namentlich auch das Verlangen nach Einberufung der Landständevorzutragen. Der Kurfürst willigte in Betracht der kritischen ZuständeDeutschlands in dieses Begehren, worüber die vor dem Palais versammelteMenge in unermeßlichen Jubel ausbrach. Abends war die Stadt erleuch-tet. Dennoch stellte sich die Ruhe noch nicht sobald wieder her, weil jederTheil den andern mit Mistrauen betrachtete und mehrere Stabsofficieredie unvorsichtigsten Aeußerungen thaten.

Als sich am 16. October die Landstände versammelten, versprachder Kurfürst, alle Landesschulden selbst zu übernehmen, wenn man denvon der Regierung vorgelegten Versaffungsentwurf annähme, und ihm inmehreren anderen Punkten zu Willen sei. Das wichtigste Gesetz, welches