Band 
(1815 - 1854)
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140
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140 Die Verfassung vom Kurfürsten unterzeichnet. f2. 'Kap.

die Ständeversammlung votirte, bezweckte die Gewinnung des Militairsfür das Verfaffungsleben. Die Dienstzeit der Soldaten wurde auf fünfJahre herabgesetzt, und die Officiere in ihren rechtlichen Verhältnissenden Staatsbeamten gleichgestellt. Am 5. Januar 1831 ward die neue,von Professor Jordan in Marburg redigirte, damals wegen der libe-ralen Zusammensetzung der Einen und einzigen Kammer sehr belobteVerfassung vom Kurfürsten unterzeichnet und am 9. beschworen. Am 10.brachte das dankbare Kassel dem kurfürstlichen Ehepaare — denn auchdie gefeierte Kurfürstin war am 8. nach Kassel zurückgekehrt — einenglänzenden Fackelzug, wozu die Bereitwilligkeit des Kurfürsten, die Hälfteder Einkünfte des HausvermögenS, im Belauf von 330,000 Thalern, denStaatskassen abzutreten, gerechte Veranlassung gegeben hatte. Die Grä-fin Lessonitz störte jedoch durch ihre Rückkehr nach Wilhelmshvhe (11.Januar) die schöne Eintracht des Volks und seines Fürsten. Das Volkerzwäng ihre Entfernung und die mehrerer anderer misliebiger Perso-nen. Der Kurfürst nahm dies sehr übel aus, verließ am 23. März fürimmer die Hauptstadt und ging nach Hanan. Alle Bitten um seine Rück-kehr blieben fruchtlos; die Spannung zwischen dem Landtag und demKurfürsten rief anarchische Scenen im Lande hervor. Um denselben jegli-chen Verwand zu rauben, entschloß sich der Kurfürst, seinen Sohn Frie-drich W i l h e l m zum Mitregenten anzunehmen (30. September). Dar-auf begab er sich nach Frankfurt a, M., und schloß 1841 mit der GräfinLessonitz eine morganatische Ehe.

Der Kurprinz zog am 7. October in Kassel ein. Obwohl er be- 'siebter als der Vater war, so nahm dennoch das Volk Anstoß an seinerworganatischen Ehe mit der Osficierswitwe L e h m a n n, mit welcher ersich gegen den Willen der Kurfürstin vermählt hatte. Dieses Verhältnißführte zu einer beklagenswerthen Scene. Als am 7. December 1831 sichVolkshaufen vor dem Theater versammelten, um der Kursürstin beimHeraustreten ihre Huldigungen zu bezeigen, hieben plötzlich die heranspren-genden Gardes du Corps auf die wehrlosen Massen ein und tödteten oderverwundeten einige Menschen. Die Regierung leugnete die Mitwissenschaftdieser Gewaltthat ab und ließ mehrere Beamte und Officiere wegen Mis-brauchs der Amtsgewalt zur Untersuchung ziehen. Trotzdem senkte sich eintiefes Mistrauen in die Gemüther des Volks. Die Unzufriedenheit wuchsauf allen Seiten. Den Einen erschien das constitutionelle System zu kost-spielig, da die Regierung eine neue Anleihe zur Deckung eines Deficitsaufnehmen mußte; den Andern war der Anschluß an den preußischenZoll-verein, worin man eine Hinneigung zu der absolutistischen Regierungs-form erblickte, ein Stein des Anstoßes; wieder Andere zweifelten an derAufrichtigkeit der Regierung, die zur Begründung der neuen Staatsform