Band 
(1815 - 1854)
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147
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2. Kap.) Zustände des Königreichs Sachsen im Jahre 1830. 147

seitig Glauben, daß zwischen dem Pietismus und Katholicismus ein ge-heimes Abkommen bestehe. Dieser Glaube schien die Bestätigung zu er-halten, als die Dresdner Localbehörde die dreihundertjährige Jubelfeierder Uebergabe der Augsburgischen Konfession (25. Juni) beschränkte,um die Gefühle der Katholiken zu schonen, und der Oberhofrichter vonEndein Leipzig noch am Morgen der Festfeier die Aufzüge der Studen-ten in der früher erlaubten Festtracht untersagte. Die Akademiker, unter-stützt von vielen anderen Leipzigern, tumultuirten am Abend und warfenmisliebigen Personen unter Heulen und Pfeifen die Fenster ein. AehnlicheAustritte fanden auch in Dresden statt und wiederholten sich stärker, alsdie Nachricht der Pariser Revolution die Gemüther in Schwanken undNeuerungssüchtige Unruhe versetzte. Ein unschuldiger, altherkömmlicherGebrauch bei Polterabenden, dessen Ausübung die Polizei in Leipzig mitbrutalen Gewaltmitteln verhindern wollte, goß Oel in das Feuer (2. Sep-tember). Als am folgenden Abend der Tumult sich wiederholte, riefen dieBehörden hundert Mann Miiitair herbei, was natürlich mehr Spott, alsFurcht erregte, während andererseits die Staatsbehörden wieder un-schlüssig wurden, als die Bürger ihre Mitwirkung zur Stillung der Un-ruhen verweigerten. Am 4. September stürmte das Volk mehrere Freuden-häuser, welche im Gerüche standen, als erfreuten sie sich der besondernGunst der Polizei, die Wohnungen eines ganz unschuldigen Rathsbau-meisters und anderer misliebiger Beamten, und zertrümmerte Alles.Nur mit Mühe vermochte Brockhaus seine große Officin vor derZerstörungswuth des Pöbels zu schützen, der, im blinden Suchen nachden Ursachen der zunehmenden Verarmung, die Maschinen und Fabrikenmit täglich wachsendem Haffe verfolgte. Die Behörden mußten daher beiihrer gänzlichen Hilflosigkeit in die Wünsche der Bürgerschaft nach Um-gestaltung des Gemeindewesens willigen, die Polizei, dem Namen nach,abschaffen und dafür „Sicherheitsdeputirte" ernennen, worauf erst eineCommunalgarde ins Leben trat, die den Unordnungen sofort steuerte.Während das Ministerium noch berieth, wie es diese Vorfälle aufnehmensollte, brach der Aufstand schon in Dresden aus (9. September).Vvlkshaufen drangen in das Polizeigebäude, zerschnitten die Acten und war-fen sie zum Fenster hinaus, und hätten das Gebäude in Asche gelegt,wenn nicht die Vorstellungen einiger angesehener Bürger, daß man diedort verwahrten Caffen und Archive erhalten müsse, Eindruck aus sie ge-macht hätten. Das Militair, welches herbeikam, erhielt keinen Befehl, dieWaffen zu gebrauchen, und wurde zuletzt ganz aus der Stadt gezogen,die es, von Steinwürfen verfolgt, wuthknirschcnd räumte.

Die Regierung setzte am andern Tage eine Sicherheitscommissionunter dem Vorsitze des beliebten Prinzen Friedrich August nieder,welche die Bürgerschaft auflief, sich zu bewaffnen und das bedrohte Eigen-

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