Band 
(1815 - 1854)
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Publication der Verfassung.

f2. Kap.

thum zu schützen. Jetzt trat die Bürgerschaft selbst mit ihren Beschwer-den hervor, welche in folgende Punkte zusammengefaßt und der Regie-rung überreicht wurden: 1) Baldige Einberufung der Landstände; 2)Vorlegung einer genauen Uebersicht des Staatshaushaltes; 3) zweckmäßi-gere Vertretung der Staatsbürger, namentlich auch des Bauernstandes;4) Milderung des Censurzwangs; 5) Aufhebung des Geleits; 6) Er-haltung und Belebung der Industrie; 7) gleichmäßige Vertheijung derStaatslasten; 8) möglichste Einschränkung der öffentlichen Ausgaben;9) Vermeidung aller Zwiste unter den verschiedenen Religionsparteienund Abwehr des Einflusses der Jesuiten; 10) mehrere Localbeschwerden.

König Anton, der sich in Pillnitz befand, wurde von der Kundedieser revolutionairen Austritte schmerzlich überrascht. „Ich habe geglaubt,daß ich von meinem Volke geliebt sei; habe ich doch Niemand wehe ge-than, sondern Alles beim Alten gelassen, wie unter meinem hochseligenBruder!" soll er gesagt haben. Einsiedel zog sich aus dem Cabiuet zurück,in das Bernhard von Lindenau eintrat und die Bewegung zueinem gedeihlichen Ende lenkte. Indem Lindenau den republikanischen Bür-gerverein in Dresden schließen ließ, dabei aber den constitutionellen Wegverfolgte, verminderte er den revolutionären Zündstoff und beschwichtigtezugleich die noch immer erregten Gemüther. Den Tag seines Eintrittsins Ministerium (13 September) bezeichnet zugleich ein anderer wichtigerAct, der am meisten zur Beruhigung des Landes beitrug. König Antonernannte nämlich seinen aufgeklärten Neffen, den allgemein beliebten Prin-zen Friedrich August, zum Mitregenten, während der Vater dessel-ben, Maximilian, auf die Thronfolge verzichtete.

Lindenau berief nun die alten Stände zum I.März 1831 ein, umüber die Verfassung, die Städteordnung und das Ablösungsgesetz zu be-rathen. Der Mangel an Oeffentlichkeit der Ständeversammlung leistetejedoch so vielen falschen Gerüchten Vorschub, daß die Aufleger leich-tes Spiel hatten, das alte Mistrauen des Volks an die guten Absich-ten der Regierung wieder zu erwecken. Es kam am 18. April 1831 inDresden, und am 30. August in Leipzig zu blutigen Auftritten, beiwelchen die Regierung Sieger blieb. Nach dem Schluß des Landtagspublicirte der König am 4. September 1831 die neue Versassungsur-kunde. Das geheime Cabinet wurde aufgelöst und am 7. Novemberein Ministerium ernannt, dem die einzelnen Zweige der Staatsverwal-tung untergeben wurden. Das Präsidium des Staatsraths übernahmPrinz Johann, welcher schon vorher den Oberbefehl über die Commu-nalgarden des Königreichs angetreten hatte- Am 2. Februar 1832 er-ließ der König die Städteordnung und am 17. März das Gesetz überAblösungen und Gemeinheitstheilungen, nebst dem über Errichtung einerLandrentenbank. Nachdem der Bürger- und Bauernstand gewonnen war,