152 Zustände der norddeutschen Kleinstaaten. s2. Kap
Jevers," nachdem die Regierung eine Petition der Eutiner um landstän-dische Verfassung wegen örtlicher Schwierigkeiten unerledigt gelassen hatte.
In Schwar zb urg - Sondershausen hatteder stets vergnügteFürst Günther schon seit Jahren immer mehr ausgegeben, als einge-nommen. Die Verwirrung in den Finanzen erzeugte bei den UnterthanenMisstimmung und den Wunsch, diese Uebelstände durch eine Verfassunggehoben zu sehen. Günther genügte diesem Wunsche, indem er eine höchstmerkwürdige Verfassung (28. December 1830) gab, die er, weil sie Nie-mand mochte, am 21. Juli 1831 wieder aufhob. Damit war aber denhöchst begründeten Beschwerden der Schwarzburger nicht abgeholfen; miteiner Festigkeit und Würde, welche den Bürgern eines so kleinen StaatsEhre macht, drang man wiederholt, aber vergebens, aus bessere Ordnungim Staatshaushalt und auf eine ständische Verfassung, bis man znr Ge-walt griff und einige verhaßte Hofleute und Beamte verjagte (19. August1835). Der alte Fürst Günth er dankte sofort ab und übergab seinemSohne Günther (21. August) die Regierung. Seitdem wurden eine MengeVerordnungen getroffen, welche das Interesse des Volks nahe berührten, wor-auf 1841 (24. September) auch die Versassungshoffnungen erfüllt wurden.
In den Fürstenthümern Gera und Lobenstein-Ebersdorfkam es zu bedeutenden Tumulten (September 1830), welche, nachdem dieFürsten einige Concessionen gemacht und ihr ganzes Militair dahin auf-geboten hatten, sich schon im Sommer 1831 wieder legten.
Ohne äußeren Anstoß gab in Lippe-Detmold Fürst Leopolddem Lande eine Verfassung (6. Juli 1836).
Unruhig ging es in Hessen-Homburg zu. Hier konnte sich dieRegierung auf das Militair gar nicht verlassen und es ereignete sich dermerkwürdige Fall, daß die Schildwachen in Begleitung der politischenGefangenen entsprangen.
In den sächsischen Herzogthümern bewirkten Gährungenringsum Unruhen, die ihren Grund in Zunftbeschwerden und dem Mangeleiner Städteordnung hatten. Im Großherzogthum Weimar bildeten sichBürgergarden, als die Proletarier handgreifliche Absichten verriethen. Auchdie Schuhmacher, welche keinen preußischen Schuster auf weimarschen Märk-ten dulden wollten, revoltirten. Diese unruhige Stimmung benutzten ein-heimische und auswärtige Mitglieder der deutschen Prcßvereine, um demLandtage Petitionen um Oeffentlichkeit der Sitzungen und Preßfreiheitund um Verwahrung gegen die Rechtsbeständigkeit der Bundesbeschlüffeeinzureichen. Mitten in dieser Aufregung starb am 22. März 1832 dergreise Dichterkönig Goethe, dessen Tod nur aus kurze Zeit die Streitig-keiten der weimarschen Stände und die Unterhaltung der Deutschen überdie sich drängenden Begebenheiten unterbrach.