154
Oesterreichische Zustände.
s2. Kap.
von vier Armeecorps gegen Polen und Belgien schwächten die blühendenFinanzen des Königreichs, während die hohen Eingangszölle die drückendeZeitnoth mehrten, ohne dem Staatsbudget Vortheile zu bringen. Um Emeri-ten vorzubeugen, erließ die Regierung (1. October 1830) eine Verord-nung, daß solche Städte, die keine Garnisonen hatten, Sicherheitsvereinebilden möchten. Politischen Forderungen gegenüber behauptete dagegendie Regierung ihre volle Kraft, und hielt die Einführung einer allgemei-nen Repräsentativverfaffung, wie sie von den westphälischen Provinzial-ständen erbeten wurde, mit der gegenwärtigen Sachlage für unvereinbar.Um die öffentliche Meinung mit den Maßregeln gegen die Polen und diepolitischen Gefangenen zu versöhnen, stiftete auf Maaßen's und Motz'sRath der König Friedrich Wilhelm III. den Zollverein, und räumte da-mit einen Hauptgrund der Verstimmung, das Darniederliegen des Han-dels- und Gewerbsfleißes, aus dem Wege.
Oesterreich wurde nur an Einem Punkte von den Zeitbewegun-gen empfindlich berührt, in Ungarn und Siebenbürgen. Zahlreiche Peti-tionen bestürmten das österreichische Cabinet, den Polen Hilft zu leisten.Metternich bewies durch kluges Nachgeben, wie durch achtungsvolle undmilde Behandlung der übergetretenen Polen, daß er sich in die Zeit zuschicken wisse. Nachdem der Kronprinz Ferdinand (28. September1830) in Preßburg gekrönt worden war, begannen auf dem ungarischenLandtage jene Kämpft um die Einführung der ungarischen Sprache alsLandtags- und Amtssprache, welche noch lange fortgedauert haben. DieRegierung wählte in gerechter Würdigung der slavischen Gebiete Ungarnshier einen Mittelweg, indem sie die Gesetze zwar in ungarischer Spracheerließ, aber mit nebenstehender lateinischer Uebersetzung.
13. Die Bewegungen im constitutio netten Süddeutsch-land. Wirth und Siebenpseisfer. Rotteck und Welcker.Die Preßvereine. Das Hambacher Fest (27. und 28. Ma i1832). DieBundesbeschlüssevom 21. October 1830, 28.Juni und 5. Juli 1832. Die Aufhebung des badischenPreßgesetzes. Das Frankfurt er Attentat (3. April 1833).Die Bundesbeschlüsse und die geheimen Wiener Confe-renzbeschlüsse von 1834.
Das constitutionelle Süddeutschland, Baiern, Württemberg undBaden, auch Nassau, blieben von den Stürmen des Jahres 1830 inso-fern unberührt, als es hier nicht zu Tumulten und revolutionären Scenenkam. Der Studentenauflauf in München während der Christnacht 1830rührte mehr von jugendlichem Uebermuth und reichlich genossenem bairi-