Band 
(1815 - 1854)
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Die Sachlage Württembergs.

s2- Kap.

das Beispiel der Abgeordneten, die sich auf die meist protestantische Be-völkerung Frankens und Rheinbaierns stützten, nach, und schrieb mit einerZügellostgkeit, die in Deutschland unerhört war. Das bairische Volksblattging darin allen anderen Blättern voran, vr, Wirth gab seine Stel-lung auf und gründete die radicale „deutsche Tribune", welche nebst dem„Westboten" von Hr. Siebenpfeiffer bald zu den bedeutendstenOpposttionsjournalen gehören sollte. Die Regierung sah diesem Treibeneine Zeitlang zu, indem sie heimlich die Liberalen zu entzweien und woihr dies nicht gelang, die Reichsräthe zu desto nachdrücklicherem Wider-stände gegen die Beschlüsse der zweiten Kammer anzutreiben suchte. Dasvon der Regierung vorgelegte, freisinnige Preßgesetz vom 3- Juni schei-terte, Weil die zweite Kammer auch die Aufhebung der Censur für äußereAngelegenheiten mit aller Entschiedenheit forderte, worein die'Rcgierungwegen ihrer Stellung zum Bunde nicht willigen konnte. Im Auslandewar man so billig, dies einzusehen, und die bairische Regierung wurde vonden Liberalen Deutschlands mit Freuden begrüßt. 1832 schlug der Königjedoch die entgegengesetzte Richtung den liberalen Bestrebungen gegenüberein. Fürst Oettingen-Wallerstcin übernahm das Ministerium desInnern und mit ihm die Verpflichtung, das monarchische Princip in seinerReinheit gegen die synkretistischen Versuche des Liberalismus zu verthei-digen. Dr. Wirth entzog sich dem Umschwung der Ideen in den höchstenKreisen, indem er sein Blatt vom 1. Januar 1832 an in Zweibrückenerscheinen und in Homburg drucken ließ.

Württemberg's König hatte durch mehrere in die Augen fallendeVerbesserungen und Ersparnisse die Popularität durch die Zwanziger Jahrebehauptet. JmJahre1829 gab derKönig alleFreitage öffentliche Audien-zen, zu denen Jedermann Zutritt hatte. Die württembergische Presse ge-noß bedeutender Freiheit, was dem Bundestage zu manchen Klagen Ver-anlassung gab, wiewohl die Presse Uebertreibungen vermied und, fern vonidealistischen Schwärmereien, die Nächstliegenden Misbräuche im Leben undin der Verwaltung bekämpfte. Die Neckarzeitnng und der Hesperus ge-körten vorzugsweise dieser liberal-praktischen Richtung an. Als sich imJanuar 1830 der Landtag wieder versammelte, konnte ihm die Regierungdas angenehme Ergebniß mittheilen, daß das Budget um eine Miljionund die Schulden um vierunddreiviertel Millionen vermindert worden seien.Die Kammern wurden im April geschloffen, nachdem sie für zwei Jahredie Steuern bewilligt hatten. Im November fanden die Neuwahlen statt,wobei die liberale Partei die größte Thätigkeit entfaltete und durch Wahl-ausschüsse, welche mit dem Stuttgarter Centralverein der „Gesellschaft derVaterlandsfreunde" in Verbindung standen, die Wahlen ganz in ihremSinne lenkte. Die Regierung fand sich in jener stürmischen Zeit, welcheübrigens für Württemberg, mit Ausnahme eines Studententumultes in