Band 
(1815 - 1854)
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Die badenschen Kammern.

(2. Kap.

von Stuttgart nach Ludwigsburg zu verlegen, wenn jene Stadt einenvon den Dreiundfunfzig wieder in die Kammer schickte. Ueberhaupt ent-wickelte nun das Ministerium die größte Energie, schärfte den Beamtenein, für die Regierung zu wirken und machte die Censoren namentlich fürdie Haltung der Presse verantwortlich. Dennoch wählte das Land vonjenen Dreiundfunfzig, die für die Adresse gestimmt hatten, Siebenunddrei-ßig wieder. In Stuttgart sogar siegte Uhland über den ministeriellenKandidaten. Die Regierung griff nun zu dem Mittel der Urlaubsverwei-gerung, weshalb Uhland und Römer ihren Abschied nahmen. Allein dieentschiedene Opposition hatte eine Niederlage erlitten und die übrigen Li-beralen gingen meist mit dem Ministerium, um nicht alle constitutioncllenErrungenschaften zu verlieren, die vom Bunde überhaupt scheel angese-hen wurden. Das unglückselige Frankfurter Attentat (3. April 1833),verbunden mit der Verschwörung des Lieutenants von Koseri tz imwürt-tembergischen Heere, konnte nicht ohne Einfluß aus die Stimmung derAbgeordneten bleiben. So verlief dieser Landtag (22. Mai bis 9. De-cember 1833) ganz zur Zufriedenheit der Regierung.

Großherzog Ludwig von Baden hatte in den letzten Jahrenseines Lebens ganz dem System des Stillstands gehuldigt und 1824eine Kammer zusammengebracht, welche die Verfassung abänderte und dieMaßregeln gegen die Presse guthieß. Namentlich wurden aus den zwei-jährigen Ständeversammlungen dreijährige und es mußten alle dreiJahredie Wahlen erneuert werden, während früher nur ein Viertheil ausschied.Als der Großherzog starb (30. März 1830), folgte ihm sein StiefbruderLeopold, Markgraf von Hochberg, ein Sohn Karl Friedrich's und des-sen zweiter Gemahlin, der Freiin Geyer von Geiersberg, nachherigen Grä-fin Hochberg., Da die Regierung von Baiern Schwierigkeiten wegen derThronfolge dieser Nachkommenschaft erhoben hatte, bemerkte man einigeTruppenzüge gegen die bairische Grenze. Leopold, welcher durch seine Ein-fachheit und Biederkeit ohnehin allgemein beliebt war, und die treueste Stützeseines Hauses in der Liebe des Volkes fand, suchte die Lasten des Landes zuerleichtern, entließ die reactionären Minister, von Berstett und von Vert-heiln, und nahm dafür die constitutionell-gesinnten Staatsräthe Jolly, vonBöckh, Nebenius, Weiler und Winter, in seinen Rath auf. Mit der Thron-veränderung fiel die gänzliche Erneuerung der Kammern zusammen. Leo-pold, den man damals schon mit dem Ehrennamen „dcrBürgersreundliche"schmückte, verbot in dem Wahlausschreibm den Beamten ausdrücklich,einen gesetzwidrigen Einfluß auf die Wahlen zu äußern. Diese Ver-ordnung, sowie der damalige Jdeenumschwung, bewirkten, daß fast alleWahlen liberal ausfielen. Auf dem badenschen Landtage von 1831 (17.März bis 31. December) traten die Hauptkämpfer des constitutioncllenLiberalismus auf und erregten durch ihre glänzenden und freimüthigen