2. Kap.s Berathung der österreichischen Präsidialanträge. 161
Vorzüge im Gemeinde- und Finanzwesen. Seine vortreffliche Verwaltung,die Intelligenz und Tüchtigkeit seiner Beamten, die unparteiische Rechts-pflege, die Anstalten sür Unterricht und Bildung, waren Gegenstände über-schwenglichen Lobes. Der preußische Zollverein wurde als ein schönesZeichen der beginnenden Einheit freudig begrüßt und Preußen aufgefor-dert, sich an die Spitze Deutschlands zu stellen; nur müsse es, — unddarauf legte man das Hauptgewicht, — nicht länger mit der Einführungeiner reichsftändischen Verfassung zögern. Andere, welche die Willfährig-keit der preußischen Regierung hierzu bestritten, schlugen theils die Königevon Baiern oder Württemberg, theils den Großherzvg von Baden zumOberhaupt Deutschlands vor.
Wettern ich, welchem die Oesterreich feindselige Stimmung unddie Gefahren für das conservative - monarchische System nicht entgingen,ließ nicht nur Rathschläge und Warnungen au die Höfe ergehen, son-dern veranlaßte auch den Präsidialgesandten, Gras Münch-Bellinghau-sen, gemeinsame Maßregeln der Buudesglieder wider die Revolution insWerk zu setzen. Am 18. September brachte der österreichische Gesandtedie Verhältnisse Deutschlands znr Sprache und stellte folgende Vorschlägezur Berathung: „Aufstellung einer bedeutenden Militairmacht, Beschrän-kung der Presse und Nichtigkeitserklärung aller der Zugeständnisse, zuwelchen die deutschen Fürsten durch ihre Völker etwa gezwungen werdenkönnten." Noch ehe die Jnstrnctionen für die Gesandten einliefen, setzteGraf Münch die Ausstellung eines Truppcncorps von 5300 Mann umFrankfurt durch. Erst am 14. October, nachdem sämmtliche Höfe ihreGesandten mit Jnstrnctionen versehen hatten, schritt man zur Berathungder österreichischen Präsidialanträge. Preußen, obwohl im Ganzen mitOesterreich einig, verkannte nicht, daß die Erläuterungen des Gra-fen Münch die Souverainetät der Mittelstaaten gefährdeten und erklärte,daß execntive Maßregeln nur in Uebereinstimmung mit der betreffendenRegierung zu beschließen wären und der Bundestag vorher untersuchen solle,ob nicht wirklich Grund zu Beschwerden gegen die Regierung vorhandensei, damit ungesetzliche Wege zur Abhilfe derselben verhindert würden.Daß der preußische Gesandte von Nagler die Ansicht der Mittelstaatengetroffen hatte, zeigten gleich darauf die Vota der vier königlichen Ge-sandten von Baiern, Hannover, Sachsen und Württemberg. Wie Naglerselbst, fanden sie es sehr bedenklich, wenn der Bund den Grundsatz aus-sprechen wolle, daß alle abgedrungenen Zugeständnisse nichtig seien, wider-setzten sich jeder Verschärfung der Censur und bedauerten, von ihren Regie-rungen nicht umfassende Vollmachten für alle künftige Fälle erhalten zu ha-ben, um Präsidialanträge sogleich annehmen oder ablehnen zu dürfen. Derbairische Gesandte, Freiherr von Lerchenfeld, verlangte am 21.Octo-ber sogar, daß alle Beschwerden, die in den verschiedenen Ländern vorhan-Weltgeschichte, IU. 1