164 Kampf der Presse gegen die Regierungen. f2. Kap.
Bundes aller Liberalen bilden könnten, endlich die Art und Weise, wiedie Presse gegen den deutschen Bund verfuhr, nöthigten diesen zu den obenangeführten Verboten mehrerer Zeitschriften. Die bairische Regierungfügte dazu auch das Verbot der Preßvereine. Nichtsdestoweniger fuhr „diedeutsche Tribune" fort, zu erscheinen, und die Regierung ließ deshalb denvr. Wirth verhaften, obwohl sie des Sieges im gerichtlichen Verfahrennicht sicher war. Wirth, des Hochverraths angeklagt, wurde am 15. April1832 von dem Apellationsgericht in Zwcibrücken freigesprochen. DiesesUrtheil, wodurch ein deutsches Gericht die Preßvereine für gesetzlich er-laubt erklärt hatte, äußerte doch seine verhängnißvollen Wirkungen nurauf die radicale Partei, welche im Siegesräusche sich nicht zu mäßigenwußte, und die Regierungen geradezu herausforderte zum Kampfe überdie Frage: „Wer ist der Herr?" — Neue, noch heftigere, aber wenigergutgeschriebene Blätter ersetzten die eingegangenen. Besonders aber streu-ten die Radikalen eine Fluth von Broschüren über Deutschland aus, welchedurch Boten den Zeitungs-Abonnenten ins Haus geschickt wurden, da diePosten ihre Beförderung verweigerten. Die Farben derBurschenschast wur-den das Symbol derFreiheit; überall, im Süden und Westen, sah man sieauf Freiheitsbäumen flattern und die Spitzen der Thürme zieren. Die Auf-regung wuchs hier stündlich; der Arm des Gesetzes erlahmte; das Anse-hen der Behörden erlosch; Anarchie und Zuchtlosigkeit folgten nach. Für-sten und Kammern waren überall in offener Fehde gegen die einschränken-den Handlungen des Bundes; sogar in Frankfurt protestirte die Bürger-schaft gegen die Bundesbeschlüsse vom 2. März 1832. Die konstitutio-nellen, namentlich in Baden, konnten diesem Treiben nicht ihre Zustim-mung ertheilen, weil es die Freiheit selbst bedrohte, und man in Baden einAsyl für das freie Wort gegründet, somit für den Augenblick wenigstenserreicht hatte, was man wünschte.
In Baden hatte sich nämlich mit dem Preßgesetz vom 1. März 1832ein neues Leben entwickelt. „Der Freisinnige" und „der Wächter am Rhein",von Stromeier, sahen in ihren Artikeln meist von inneren Angelegenheitenab, unterstützten hilfreich das Ministerium, und richteten ihre Blicke mehraus die großen Verhältnisse Deutschlands und die Beziehungen zur euro-päischen Politik. Am 1. April 1832 feierten die Konstitutionellen Ba-dens unter Theilnahme der Nachbarländer das Fest der badenschen freienPresse mit ernsten Reden und heiteren Trinksprüchen, welche einerseitsden Wunsch ausdrückten, daß Deutschland sich einer so schönen Zu-kunft erfreuen möge, als Baden einer befriedigenden Gegenwart, anderer-seits von allen ungesetzlichen Schritten zur Erreichung dieses frohen Zielesabmahnten.
Dieses Fest von Weinheim eröffnete die Reihe moderner Volksfeste,welche sich jedoch nicht immer in den Schranken der Mäßigung hielten.