Band 
(1815 - 1854)
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Die Preßprocesse.

wurden die Karlsbader Beschlüsse gegen die Presse und die Universitätenerneuert. Schließlich versprachen die Bundesglieder, einander die promp-teste milttairische Hilfe zu gewähren.

Das durch den Bundestag einmal angebahnte System konnte nichtohne einen gewissen Terrorismus durchgeführt werden, wenn die gährendeBewegung schnell und gründlich unterdrückt werden sollte. Freilich eröff-nete es auch der Rache der bisher in ihren Interessen bedrohten Classeneinen weiten Spielraum und Mancher wurde hart verfolgt, der vorherkeine Ahnung hatte, in welche Noth ihn einst die Schwärmerei für Deutsch-lands Einheit, oder eine Unterschrift, oder das Anstecken einer deutschenCocarde bringen würde. Mehrere der radicalen Wortführer sahen diesvoraus und ergriffen die Flucht. Andere Misvergnügte. die wenig odergar nichts verbrochen hatten, denen es aber imVaterlande unheimlich wurde,wanderten nach Amerika aus. Würzburg verlor zur Strafe sein Apella-tionsgericht; der berühmte Schönlein ging in die Schweiz, da er sichnicht, gleich Anderen, versetzen lassen wollte; der Bürgermeister Behr wurdeaus Bitten der Bürger in den Ruhestand versetzt und am 24. Januar1833 sogar verhaftet. Erst 1836 fällte das Apellationsgericht zu Mün-chen das Urtheil, dessen Gerechtigkeit damals lebhaft bezweifelt wurde.Nachdem Behr durch eine kurze Rede der Form der Abbitte vor demBilde des Königs genügt hatte, wurde er aus „ unbestimmte Zeit" nachOberhaus gebracht. Eisenmann erhielt auf der Festung eine fünfzehnjäh-rige Muße, um seine berühmten medicinischen Werke zu schreiben. Wirthund Siebenpfeiffer, den Geschworenen in der Festung Landau überwiesen,wurden dagegen freigesprochen, ebenso die achtunddreißig Frauen Neu-stadts, die eine Verloosung zum Besten der politischen Gefangenen ver-anstaltet hatten. Das Zuchtpolizeigericht in Zweibrücken verurtheilte nach-mals Wirth und Siebenpfeiffer zu zweijähriger Gefängnißstrase, der sichder Letztere durch die Flucht zu entziehen wußte, während derErstere selbsteinen Befreiungsversuch hinderte, und sich nach überstandcner Strafzeit inKonstanz niederließ, da das jesuitenfreundliche Ministerium Abel ihm denAufenthalt in Baiern gänzlich verleidet hatte.

Die Bundesbeschlüffe vom Juni und Juli 1832, welche in man-chen Punkten die eifersüchtig bewachte Souverainetät der Mittelstaatengefährdeten, waren inBaden beinahe wirkungslos abgeprallt. Als derBund die Aufhebung des badischen Paßgesetzes forderte, erklärte der ba-densche Gesandte, unterstützt durch Baiern und Hessen: „das heiße dieSelbstständigkeit der Einzelstaaten verletzen, wenn man ihnen verbiete,solche Gesetze zu geben. welche ihren besondern Bedürfnissen, entsprächen.Die Censur sei überhaupt eine schlechte Einrichtung und hänge immervon der Willkür des ausübenden Beamten ab. Die badensche Regierungbefinde fich im vollsten Einvernehmen mit ihren Ständen und habe von der