2. Kap.) Aufhebung des badmschen Paßgesetzes. 167
Presse nichts zu fürchten. Es würde gewiß einen Übeln Eindruck machen,wenn der Bund ein verfassungsmäßig zu Stande gekommenes Gesetz auf-hebe und die Autorität der im Lande feststehenden Regierung erschüttere."Zugleich mußten die badenschen Gesandten in Wien und Berlin die be-ruhigendsten Versicherungen über den öffentlichen Zustand in Baden geben.Indeß nutzte dies nicht viel, und die Versuche der süddeutschen Staatenund Sachsens, ein Buudespreßgesetz zu Stande zu bringen und Maßre-geln zu ersinnen, Baden das geforderte Opfer zu Gunsten des Bundes zuerleichtern, scheiterten an der Konsequenz des österreichischen Gesandten.Als nämlich Baden am 5. Juli, noch vor der förmlichen Beschlußfassung,erklärte: „daß es sich einem Beschlusse auf förmliche Zurücknahme oderSuspension des Gesetzes in-keinem Falle unterwerfen werde, indem esdies nicht nur mit dem Rechte, sondern auch mit seiner Würde unverein-bar halte, und es in einer bewegten Zeit den Feinden der öffentlichenOrdnung nicht die schärfsten Waffen bieten oder sich des Vertrauens seinerUnterthanen berauben wolle," —> drohte Graf Münch mit Executions-maßregeln. Der Antrag Oesterreichs, das badensche Preßgesetz aufzuheben,ging durch. Vergebens verlangte die badensche Regierung Aufschub, bisein allgemeines Preßgesetz vom Bunde ausgearbeitet sei. Vier WochenFrist war Alles, was sie erhielt. Man erkannte nun in Baden die Unmög-lichkeit, sich länger gegen die Macht zu sträuben und leistete Folge, indemman die Censur bei Zeitungen und Schriften unter zwanzig Bogen wiedereinführte, die Oeffentlichkeit der Verhandlungen über Preßvergehen auf-hob, dagegen den Gerichten die Entscheidung über die von der Polizeimit Beschlag belegten Blätter noch ferner überließ. Darauf erfolgte dieSchließung der Universität Freiburg und die Penfionirung Rotteck's undWelcker's auf Befehl des Bundestages (6. September 1832). Erst imfolgenden Jahre ward die Universität, aber mit andern Statuten wiedereröffnet. Was Metternich vorausgesagt hatte: „das Hambacher Fest,gut benutzt, kann das Fest der Guten werden", war eingetroffen.Ein anderes, viel schlimmeres Ereigniß, brachte die Reaction erst invollen Zug, und zog die qualvollsten Martern für mehrere Tausende ge-wiß hochherziger, aber leider bethörter Jünglinge, nach sich.
Seit Wirth's Verhaftung war der Sitz des Centralpreßvereinsnach Frankfurt verlegt worden. Hier förderten einige junge Doctoren,als Gärth, Bunsen, Jucho und Andere, mit großem Eifer die Verbreitungoder Erhaltung der Preßvereine, stießen aber auf so viele Hindernisse,daß sie den verwegenen Entschluß faßten, Deutschland zu revolutionirenund mit Gewalt ihrer Freiheit Bahn zu brechen. Sie setzten sich deshalbmit den liberalen Abgeordneten in Verbindung, von denen auch Benzel-Sternau, Rotteck und Welcker in Frankfurt erschienen, ohne sich mit den