Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
Seite
171
JPEG-Download
 

2. Kap.) Der pr. Zollverband und der mitteldeutsche Zollverein. 171

1-1. Der Zollverein. Die Hannöversche Verfassungs-frage.

Die Regierungen kamen ihren Verpflichtungen mit Eifer nach undtheils hierin, theils in der politischen Erschlaffung, welche nach überreiztenZeiten zu folgen pflegt, ist der Grund zu suchen, warum die constitutio-nelle Opposition bald ganz verstummte. Baden hielt am längsten dieverfassungsmäßigen Formen inne, wenn es auch die parlamentarischeSprechfreiheit, sobald sie gegen die Conferenzbeschlüfse verstieß, beschränkte.Mit dem Tode Winters 1838 änderte sich die Sache, indem der bis-herige Bundestagsgesandte von Blittersdorf ins Ministerium tratund der Reaction des Bundestages bereitwillig in die Hände arbeitete. DieFurcht der Mittelstaaten, ihre Souverainetät zu verlieren, und das Ver-halten der preußischen Regierung haben manchen Artikel der Wiener Con-serenzbeschlüffe nicht zur Ausführung kommen lassen. Wie sehr sich indeßPreußen schadete, daß es seit 1832 wenig zur Mäßigung der Reactionthat, bewies die Abneigung der süddeutschen Kammern gegen einen An-schluß an den preußischen Zollverein.

Seitdem es offenbar geworden, daß Oesterreich seinem strengen Pro-hibitivsystem nicht entsagen und überhaupt zur Entwickelung eines allge-mein deutschen Zoll - und Handelssystems nichts beitragen wollte, griffenzwei preußische Staatsmänner von Maaßen und von Motz, den Ge-danken auf, Preußen zum Mittelpunkt eines auf den Freihandel basirtenVereins deutscher Staaten zu machen. Zunächst wurden die Binnenzöllein Preußen aufgehoben (1818k, dagegen eine strenge Grenzcontrole ein-geführt, was die kleinen enclavirten Staaten bewog, sich zwischen1822—1828, in den preußischen Zollverband aufnehmen zu lassen.Diesem Beispiel folgend, schloffen Baiern und Württemberg (18. Ja-nuar 1828) den süddeutschen Handelsverein, und das ganze Sachsen,Hannover, Kassel, Braunschweig, Oldenburg, Nassau, Homburg, Rudol-stadt, Neuß, Bremen und Frankfurt a. M. den mitteldeutschen Handels-verein (24. September 1828), während Oesterreich, Baden, Darmstadt,die Hansestädte und Mecklenburg isolirt blieben. Von letzteren Staaten fielzuerst Darmstadt dem preußischen (14. Februar 1828) Verein zu unddie süddeutschen Staaten schloffen darauf mit dem Zollverein ein Han-delsbündniß (27. Mai 1829).

Da die Zölle in allen Staaten eine wichtige, schwer ersetzbare Ein-nahmequelle bilden, so fühlten die den kleineren Zollvereinen «»gehörigenStaaten bald manche Deficits in ihren Budgets. Kassel versuchte es da-her mit dem preußischen Verbände (25. August 1831), obwohl es des-halb vom mitteldeutschen Verein beim Bundestage verklagt wurde; 1833folgten Baiern, Württemberg, Hohenzollem und der ganze mitteldeutsche