Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
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172
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Erweiterung des Zollvereins.

s2. Kap.

Zollverein, 1835 Baden und Nassau, 1836 Frankfurt a. M. nach.Dagegen bildeten Hannover und Brannschweig theils wegen ihrer Ver-wandtschaft mit dem englischen Königshause, theils wegen ihrer Lage amMeere einen Steuerverein (Mai 1835), welchem aus ähnlichen GründenOldenburg (1. October 1836) und Schaumburg Lippe (12. November1837) beitrateu. Der Zollverein erweiterte sich in den Vierziger Jahrennoch mehr, indem sich ihm Braunschweig und die Lippischen Fürstenthü-mer anschlössen. Im Jahren 1850—1852 machte Oesterreich den Ver-such , die verbündeten Zollstaaten zu sprengen, welcher Absicht eine langverhaltene und tiefer liegende Eifersucht auf Preußens politischen Ein-fluß zu Grunde lag. Die Ergebnisse des Zollvereins waren indeß fürdie Vereinsstaaten so günstig gewesen, daß Oesterreichs Plan scheiterte.Nm wieder einzulenken, schloß Oesterreich, nachdem sich der Steuerverein (7.September 1851) mit dem Zollverein verbündet hatte, sogar einen Vertrag(19. Februar 1853) mit den Zollvereinsstaaten ab, der überall mitTheilnahme begrüßt wurde. Es verdient historisch constatirt zu werden, daßder Zollverein im Jahre 1834 bei einer Einwohnerzahl von 23,478,120eine Netto-Zolleinnahme von 12,178,761 Thalern hatte. Der Werth dereingeführten Güter belief sich auf 105,943,598 Tbaler, der der ausge-führten 143,622,605 Tbaler, der der durchgeführten 74,624,479Thaler. Im Jahre 1850 betrug bei einer Einwohnerzahl von29,461,628, die Netto-Zolleinnahme auf 20,342,427 Thaler, derWerth der eingeführten Waaren 181,659,164 Thaler, der derausgeführten 172,948,116 Thaler, der der durchgeführten 78,224,420Thaler. Der Verbrauchsdurchschnitt in Preußen betrug im Jahre 1806pro Kopf: 11 Thaler 13 Silbergroschen; im Jahre 1849: 26 Thaler21 Silbergroschen 3 Pfennige, obwohl die Bevölkerung um 47 Procent- zugenommen bat. Am merkwürdigsten ist die enorme Zunahme des Ver-brauchs von Baumwollenstoffen, die seit dreinndvierzig Jahren sich auf2100 Procent belauft. Diese Stoffe, welche im Jnlande meist fabricirtund als Rohstoff oder Twiste aus Amerika und England bezogen werden,sind vorzüglich mit landwirtbschaftlichen Productcn bezahlt worden, fürwelche man 1806 wahrscheinlich kaum desselben Artikels hättekaufen können. Diese der Jndustrieentwickeluug zu verdankende Verwohl-seilung kommt demnach besonders der Ackerbau treibenden Classe, also derMehrheit der Nation zu Gute, welche heutzutage reich genug ist, um zuden besten Kunden der Manufacturbezirke zu gehören.

Es entging Metternich keineswegs, daß den billigen Zollsätzen des Ver-eins ein größerer Aufschwung der Industrie folgen, daß die mittleren undkleineren Staaten durch Dankbarkeit an Preußen gefesselt und möglicherWeise auch an dessen Politik gekettet werden könnten. Anstatt aber sich dem