Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
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177
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2. Kap.) Der Streit über die Rothenburger Quart.

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ferner die Stände mit dem Kurfürsten in einen sehr ärgerlichen Streit überdie Rothenburger Quart gerathen waren. Es handelte sich nämlichdarum, ob das Einkommen des in Schlesien 1836 verstorbenen Land-grafen von Hessen - Nothenburg der Staatskasse oder der fürstlichen Pri-vatkaffe anheimgefallen sei. Der Bundestag entschied sich für Letzteres,während viele juristische Gewährsmänner dagegen sprachen. Auch darinerblickte das Publicum ein sicheres Vorzeichen nahender und die kurhesst-sche Verfassung zerstörender Stürme. Um so erbitterter zeigten sich dieParteien gegen einander in den Ständeversammlungen von Kurhessenund Sachsen, in denen der Liberalismus damals beredte Vertreter fand.

15 . Der Streit der Preußischen Regierung mit demKölner Erzbifchofe Freiherrn von Droste-Vischeringund dem Erzbifchofe von Posen, Dunin.

Die Befürchtungen des Liberalismus hinsichtlich einer durchgreifen-den politischen Reaction wurden durch das kühne Auftreten der katholi-schen Geistlichkeit gegen den mächtigsten protestantischen Staat vermehrt.Als nach dem Tode des duldsamen Erzbischos Grafen Spiegel von De-senberg der Freiherr Droste - Vischering den Stuhl des Kölner Erzstistsbestieg (1835), erneuerte er alte Kirchengesetze, welche dem katholischenKlerus die Einsegnung einer gemischten Ehe untersagen, wenn nicht vor-her vom protestantischen Theile das Versprechen gegeben wird, die Kinderkatholisch zu erziehen. Als die preußische Regierung dem Erzbischof ver-gebliche Vorstellungen dagegen machte, und ihn sogar an sein vor derInthronisation gegebenes Versprechen einer milden Praxis erinnerte,verdammte der Erzbischos die Lehre des ehemaligen Professors Hermes inBonn, welcher den katholischen Glauben durch die Vernunft gerechtfertigthatte, und bedeutete die preußische Regierung, daß ihr nicht das Rechtzustande, einen geistlichen Oberhirten für die treue Befolgung von Kir-chengesetzen verantwortlich zu machen. Darauf verhaftete das preußischeGouvernement den Erzbischos in aller Stille (20. November 1837) undschickte ihn als Staatsgefangenen nach Minden.

Der Angriff der Hierarchie auf Preußen und den Protestantismuswar von jener längst vorbereitet. Durch Begünstigung der Demokratiein Frankreich und Belgien — man denke an Lamennais' „Worte einesGläubigen"—hatte die Hierarchie auch in Deutschland viele gefeierte Ra-dikale aus ihre Seite gebracht. Zu diesen gehörte namentlich JosephGörre s, der in München katholisch geworden war (1827), „um dieFürsten durch die Hierarchie zu überwinden." München in Deutschlandund Freiburg in der Schweiz bildeten die Hauptlager der Jesuiten, woder Plan zur Schwächung des politischen und materiellen Einflußes Preu-W-ltgeschichte, Hl. 12