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Der Kirchenconslict in Preußen.
(2. Kap.
ßens geschmiedet wurde. Verbindungen der hierarchischen Partei wurdenmit allen katholischen Gegenden unterhalten, namentlich mit Rheinpreußenund Posen, von denen das erstere mit Rheinbaiern und Rheinsranken zueinem unabhängigen Königreiche unter einem bairischen Prinzen vereinigtwerden sollte. Die Andeutungen, welche Görres selbst in seinen Schriftengab, stellen diese Pläne ziemlich außer Zweifel.
Bei der Nachricht von Droste's Gefangennahme kam es in denRheinprovinzen zu Tumulten, die sich im Jahre 1838 und 1839 auchin den östlichen Provinzen wiederholten. Denn auch im Posenschen hatteder Erzbischof Dunin allen Geistlichen die Einsegnung gemischter Ehenstreng verboten (Februar 1838), nachdem der Papst in der Allocutionvom 10. December 1837 den Kölner Erzbischof und sein bisheriges Ver-fahren gelobt hatte. Auch Dunin kam auf die Festung Kolberg, nachdemer aus Berlin wider das königliche Verbot entwichen war. Damals ver-stummten die Glocken der katholischen Kirchen in Posen und Gnesen, unddie katholischen Polinnen hüllten sich in tiefste Trauerkleidung. Die rö-mische Curie gab nicht im Geringsten nach, wenn? sie auch die Wahl desvr. Hüsgen zum Generalvicar des Erzstifts Köln genehmigte, da sie esnur unter der Voraussetzung that, daß Hüsgen sich den Vorschriften desapostolischen Stuhls fügen werde. Bald trat die katholische Presse gegendie preußische Regierung in die Schranken. Philipps und Görres grün-deten die historisch-politischen Blätter in München, und Görres veröffent-lichte seinen „Athanasius", ein Buch, aus welchem der furchtbarste Preu-ßenhaß sprach. Die preußische Regierung stützte sich vornehmlich auf ihrgutes Recht und suchte der wachsenden religiösen Aufregung mit Gewalt-mitteln zu steuern. Die BunLesgenossenschaft der von Rüge und Echter-meyer redigirten Halle'scheu Jahrbücher, welche damals (1838) ihre Feld-züge gegen die „Romantik" begannen und den „Staat der Intelligenz"vertheidigten, wurde zurückgewiesen. Die Regierung fühlte sich stark ge-nug, das Recht des Landesherrn ohne irgend welche Concession an denLiberalismus aufrechtzuerhalten.
Anstatt die Einigkeit der Protestanten zu befestigen, gab der KölnerStreit zu einem Kamps zwischen der mystisch-altkirchlichen Richtung einerseitsund dem Rationalismus und der junghegel'schen, ungläubigen Schule ande-rerseits, Veranlassung. Dies geschah durch Leo's Schrift gegen die Hegelinge.Die Folge dieser bis heute noch dauernden Kämpfe im Protestantismuswar eine Scheidung der Elemente, welche bisher ohne das Bewußtsein desGegensatzes friedlich nebeneinander bestanden hatten. Nach und nachkam es zu einer Läuterung der protestantischen Kirche und deren Abschlie-ßung gegen freiere Elemente, die in unserer Zeit erst ihre mehr oder min-der wohlthätigen Früchte trägt. Der Gedanke aber, daß der katholische Ober-priester, welcher dieGeschicke unseres Vaterlandes mit bestimmen will, ein