Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
Seite
179
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2. Kap.)

Die Schweizerrevolutionen,

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Ausländer sei, erweckte in Folge des Kölner Streites die Idee einernähern Vereinigung aller deutsch-protestantischen Kirchen. Zugleich hauch-ten die französischen Rheingelüste auch der Idee der politischen EinheitDeutschlands neues Leben ein. Dem Nachfolger Friedrich Wilhelm's III.in Preußen war es vorbehalten, nach beiden Richtungen hin bedeutsameSchritte zu thun. Friedrich Wilhelm IH. starb am 7. Juni 1840 allge-mein und aufrichtig betrauert vom ganzen Volke, das seinem einfachenWesen, seinem frommen Sinne gerechte Anerkennung zollte und von demgeistvollen Nachfolger die Verwirklichung alter Wünsche hoffte, welche es bis-her aus kindlicher Pietät verschwiegen hatte.

16 . Die Schweizerrevolutionen.

Die Verfassung von 1815 hatte um die zweiundzwanzig Schwel»zercantone ein sehr lockeres Band geschlungen und zuvörderst nur die Can-lonalsouverainetät befestigt. Die Regierung der Einzelcantone (kleinerRath) lag in den Händen der Geschlechter und der Reichen, welche zwar denübrigen Bürgern einen Antheil an der Gesetzgebung in den großen Räthengestatteten, diesen Antheil jedoch auf ein so bescheidenes Maß beschränkten,daß der kleine Rath mit der Initiative in der Gesetzgebung und der Be-setzung der niederen, oft auch der höheren Richterstellen alle Funktioneneiner regierenden Staatsgewalt in sich vereinigte. Die Städte ge-nossen bei den Großrathswahlen große Vorrechte, indem sie bei weitemmehr Abgeordnete stellten, als das Land. Wenn dies schon das Mis-trauen nährte, so war die Heimlichkeit der patrizischen Verwaltung auchnicht geeignet, das Vertrauen zur Redlichkeit der kleinen Räthe zu heben.Erwies sich auch später dieser Verdacht als unbegründet, so bildete er dochein wichtiges Moment in den Staatsumwälzungen der Schweiz. Schonim Jahre 1829 und 1830 begann der Geist der Unzufriedenheit mitdem Bestehenden sich hier und da zu regen und manche Veränderungeneinzuleiten. Die Schützengesellschasten, der Zofinger Studentenvereinund die von wissenschaftlich gebildeten Männern gestiftete Helvetia warendie Brennpunkte des liberalen Geistes. Die Julirevolution verbreitetejenen Geist durch alle Cantone, stürzte die oligarchische Herrschaft, be-schränkte den Einfluß der absoluten Staaten und gewährte dem Landvolkeine gerechtere Vertretung im großen Rathe.

Gewöhnlich begann die Bewegung in den einzelnen Cantonen miteiner Volksversammlung, die für die Führer des Liberalismus eigentlicheine Heerschau über ihre Streitkräste darstellte. Diese zahlreich besuchtenVolksversammlungen schüchterten die Regierungen ein, sodaß sie schwan-kend und unschlüssig dem Treiben zusahen, oder im Moment der Entschei-dung kraftlos nachgaben. Nachdem die mächtige Aristokratie von Berngestürzt war (6. Juli 1831), bildete dieser Canton den Hauptfitz des

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