Band 
(1815 - 1854)
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184
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Die Badener Conferenzartikel.

12. Kap.

von katholischer Seite heftig bekämpft. Am 16. April 1835 forderteder Bischof von Basel, Johann Anton Salzmann in Solothurn,vom großen Rath in Aargau die feierliche Anerkennung früherer Rechteder katholischen Kirche. Der große Rath verweigerte dies, indem er sichin einer Proclamation rechtfertigte, und der katholischen Geistlichkeit zu-muthete, dieselbe von den Kanzeln zu verlesen. Diesem Ansinnen wider-setzten sich vierzehn Geistliche, welche zur Untersuchung gezogen und be-straft wurden. Hierbei kam man einem durch die ganze Schweiz ver-zweigten Verein auf die Spur, der vom Nuntius in Luzern geleitet wurde.Bald darauf erließ der Papst Gregor XVI. ein Kreisausschreiben, woriner die Badener Conferenz - Artikel als „ketzerisch und die göttlichen Ein-richtungen der Kirche umstürzend" verdammte. Besonders war ei «Punkthervorgehoben, der das Kirchenamt der weltlichen Macht unterzuordnenschien, nämlich die Bestimmung der Badener Artikel, daß kein katholischerGeistlicher bei Strafe der Absetzung der weltlichen Macht den Eid derTreue verweigern dürfe. In den katholischen Gemeinden wuchs die (Nah-rung von Tage zu Tage und führte sogar zu Ausständen, als 1836 dieTheilnehmer der Badener Conferenz die Verwaltung der Klöster unterStaatsaufsicht stellten und dabei mit unkluger Rücksichtlosigkeit, ja mitVerletzung aller billigen Ansprüche der Gegenpartei verfuhren. Aargauging hierin allen andern Cantonen voran und hob, auf den Antrag desSeminardirectors Keller, am 13. Februar 1841 alle Klöster auf, weilsie das Feuer des Aufruhrs fortwährend geschärt hätten. Die Curie, diedeutschen Kroßstaaten und katholischen Mittelstaaten protestirten zwardagegen, und die Tagsatzung gab sich jegliche Mühe, den Streit zur Zu-friedenheit aller Theile auszugleichen. Die Zugeständnisse, welche Aargauzu machen bereit war, erschienen aber dem katholischen Nuntius uner-heblich, weshalb die Tagsatzung mit Stimmengleichheit am 8. August1843 beschloß, die Aargauer Klosterfrage gänzlich aus den Tractandender Tagsatzung zu streichen. Dafür suchten die Jesuiten, in Wallis,Schwyz. Luzern und Fre'.burg um so fester Boden zu fassen, um das ver-lorene Terrain wiederzugewinnen. Wie ihnen dies gelungen ist, werdenwir im nächsten Kapitel bei Erzählung des Sonderbundskrieges sehen.

Hatten die katholischen Vereine die Herrschaft der Liberalen undNadicalen nicht untergraben kön»en, so gelang djes den Bestrebungender orthodox-protestantischen Geistlichkeit in Zürich Dieser Canton warseit 1839 Vorort; deshalb hatte eine Staatsverändernng in Zürich dop-pelte Wichtigkeit. Den Anlaß zum Sturz des Zürcher Regiments gabdie Berufung des Dr. Strauß in Tübingen als Professor der Theologiean die Universität. Durch sein „Leben Jesu"(1835)und seine „Streitschrif-ten" hatte er damals das altkirchliche Bewußtsein aus seinem Schlummer auf-geschreckt und war von den Orthodoxen als „Atheist", verdammt worden,