2. Kap.j Unterhandlungen zwischen Frankreich und Oesterreich. 187
gergarden und Milizen rückten sofort aus, um dem Verlangen Nachdruckzu geben, wurden aber von den päpstlichen Truppen bei Bastia undCesana auseinandergesprengt (20. Januar 1832). Der Cardinal Al-baut, welcher die Truppen begleitete und als blutdürstiger und rachsüchtigerReactionär bekannt war, gestattete der zuchtlosen Soldateska die schänd-lichsten Greuel. Die Intervention der Oesterreichs unter Radetzky,welche am 28. in Bologna einrückten, setzte dem Wüthen Albani's undder pästlichen Truppen gewisse Grenzen. Radetzky und Hrabowski er-theilten sogar den compromittirtesten Communaldeputirten Pässe nachLivorno, um fie der Rache des heiligen Vaters zu entziehen.
Das französische Ministerium Porier konnte aus Rücksicht auf dieöffentliche Meinung nicht länger müßig zusehen, wie die Oesterreicherdie Herren Italiens spielten. Gegen den Willen des Papstes erschienendaher am 22, Februar 1832 einige französische Kriegsschiffe vor Anconaund setzten in der Nacht 1500 Mann unter Obrist Combe aus Land,welche die Wälle Ancona's ohne Widerstand erstiegen. Die Bewohnerder Romagna begrüßten die Franzosen als Befreier, und der commandi-rende General Cubiöres that zuerst Alles, um die Italiener in diesemGlauben zu erhalten. Hatte doch Polier selbst in der Kammer erklärt,daß die Franzosen intervenirten, um den Unterthanen die Erfüllung derVersprechungen des Papstes zu verbürgen.
Die französische Einmischung stärkte den Widerstandsgeist auch inden übrigen Provinzen, erhöhte aber zugleich die Wuth Albani's. DieserMann richtete eine geheime Polizei aus den niederträchtigsten Subjectenein, erhob eine Zwangsanleihe, setzte die Gemeinderäthe ab und ernanntean deren Stelle verdorbene und unfähige Leute. Die alten Gemeinde-räthe und die Bürger erhöhen gegen dieses ungesetzliche Verfahren Ein-spruch. Der gereizte Cardinal ließ neue Truppen nach Bologna kommen.Diese wurden jedoch von den erbitterten Einwohnern angefallen, ihr Be-fehlshaber verwundet und konnten nur durch das Dazwischentreten derOesterreicher bis zu ihrer Caserne gelangen. Albani erließ nun eine insolchen Ausdrücken verfaßte Bekanntmachung, daß auch Oesterreich seineStimme dagegen erhob und auf Abberufung des Kardinals drang, worinauch die päpstliche Curie sich fügte.
Oesterreich trug schwere Bedenken über die Gefahr, welche ihmFrankreich durch Unterstützung der Liberalen in Italien bereiten konnte,und Metteruich setzte sich daher mit dem Pariser Hofe in Unterhand-lungen und versprach Louis Philipp, keinen der französischen Kronpräten-denten zu begünstigen, das Haus Orleans zu schützen und die belgischeFrage nach Frankreichs Wunsch beilegen zu helfen. Dagegen sollte sichLouis Philipp von den Liberalen Italiens, Deutschlands und der Schweizzurückziehen. Schon im Juli 1832 nahm Cubiöres eine andere Sprache