Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
Seite
194
JPEG-Download
 

194

Annahme der Reformbill.

f2. Kap-

Dieses geschah am 13. April mit der geringen Majorität von 9 Stimmen.Das Ministerium mußte abtreten, oder neue Pairs ernennen. Der Kö-nig sah sich aber zu der letzteren Maßregel, die, wie Frankreichs Beispielgelehrt hatte, bei öfterer Wiederholung das Ansehen der Paine unter-graben mußte, nicht veranlaßt. Darum dankten Grey und seine Col>legen ab und Wellington und Lyndhurst erhielten den Auftrag, ein neuesCabinet zu bilden. Von dem Augenblicke an konnten im ganzen Reichekeine Abgaben mehr erhoben werden. Die allgemeine Verbreitung derReformunionen, namentlich der Central-Union von Birmingham, machtenjeden Widerstand gegen den allgemein ausgesprochenen Willen durchausunmöglich. Selbst im Heere, aus das Wellington bisher gebaut hatte,zeigten sich allerlei bedenkliche Symptome. Am 17. Mai gaben daherWellington und Lyndhurst ihre Vollmachten dem Könige zurück, und da-mit zugleich den Widerstand gegen die Resormbill auf. Wilhelm IVbevollmächtigte nun das frühere Whigministerium, die Bill mit allen Mit-teln durchzusetzen. Die Tones fügten sich nach kürzerem Widerständeund am 4. Juni 1832 ging die Reformbill mit 106 gegen 22 Stim-men im Oberhause durch. Der König sanctionirte das Gesetz am7. Juni.

Das von Celten bevölkerte Irland hatte seit der Reformation Ur-sache, nicht mir über die Unterdrückung der Nationalität, sondern auch derReligion Klage zu führen. Die Revolution von 1689, wo die Irenauf Seiten der Stuarts und der Tories kämpften, vermehrte die Be-drückungen, durch welche sich England allein aus dem grünen Erin be-haupten konnte. Der einheimische Adel verlor seine Reichthümer, umFremden Platz zu machen, und hinterließ der Zukunft ein Geschlecht, dasgleich Bettlern aus der Gesellschaft lastete. Der eingewandert reicheenglisch-protestantische Adel (Orangisten) und die verarmte eingeboreneceltisch-katholische Bevölkerung standen einander, die Hand am Schwerte,fortwährend gegenüber. Die allgemeine Unsicherheit, welche in Irlandherrschte, vertrieb die englischen Lords aus dem Lande und ließ sie inEngland ihren Wohnsitz nehmen, wodurch die Einkünfte ihrer Güter demindustriearmen Irland entzogen wurden. Das besondere irische Parla-ment, welches von 1782 —1800 bestand, vermochte dem allgemeinenElende nicht abzuhelfen und die Verschwörungen, in-welche sich die ka-tholische Geistlichkeit Irlands mit den französischen Revolutionsmännernverwickeln ließ, trugen nicht dazu bei, das unglückliche Loos des Iren zumildern. Die englische Hochkirche, zu welcher sich nur der Bevöl-kerung bekannte, war mit reichen Einkünften bedacht und erhob den Zehn-ten von den Katholiken, welche bei ihrer Armuth die Last dieser Steuerdoppelt empfanden und ihre Geistlichen ebenfalls ernähren mußten. DieWhigs lenkten zeitig die Aufmerksamkeit der Regierung aus diesen wunden