2. Kap.)
Die irischen Zustände.
195
Fleck Großbritanniens. Pitt wollte beiseiner VereinigungJrlands mit Eng-land auch dieKatholiken emancipiren, konnte es aber nicht durchsetzen (1801).Unter solchen Umständen blieb den Iren nichts übrig, als sich der Whigpar-tei eng anzuschließen, und einen katholischen Verein zu gründen, der ausverfassungsmäßige Weise die verhaßte Union mit England wieder aufzu-heben strebte. Daniel O'Connel sprach diese Tendenz des katho-lischen Vereins zuerst klar aus (1810) und bewirkte, trotz des Wüthensder Orangeclubs, im Jahr 1829 die Emancipation der Katholiken, durchwelche diese zu Aemtern fähig und von manchen drückenden und enteh-renden Gesetzesbestimmungen befreit wurden. Die kirchlich - finanziellenVerhältnisse erlitten jedoch keine Veränderung dadurch. O'Connel faßtedaher den Gedanken, einen Verein zur Aufhebung der Union (klsxsul)mit besonderer Kasse und Ausschuß zu stiften (1830). Das Whigmini.sterium Stanley ließ ihn verhaften (18. Jan. 1831), gab ihn abernach einigen Monaten frei, um nicht die irischen Stimmen zu verscherzen.In Irland herrschte die größte Unordnung und eine grenzenlose Aufre-gung zwischen Katholiken und Orangisten, die um einen großen Theilihrer Einkünfte kamen, da die irischen Katholiken den Zehnten verwei-gerten, sich pfänden ließen und Jedermann mit dem Tode bedrohten, dergepfändete Sachen kaufen würde. Brandstiftungen, Mord - und Raub-anfälle standen mit diesen bedenklichen Zeichen im traurigsten Bunde.Das Ministerium erließ daher die von beiden Häusern (29. März 1833)angenommene irische Zwangsbill, vermöge deren der Lord Statthalter,Marquis Anglesea, Ruhe und äußere Ordnung bald herstellte. Zu gleicherZeit wollte das Ministerium den kirchlichen Beschwerden' der Iren gerechtwerden und der protestantischen Geistlichkeit, für die man schon Vorschüsseund Collecten bewilligt hatte, einen Ausweg zeigen, wie sie wenigstenseinen Theil der irischen Einkünfte retten könnte. Am 2. Febr. 1833legte Lord Althorp die irische Kirchenbill aus die Tafel des Unterhausesnieder, wodurch er O' Connel und seine Freunde für sich gewann. DieBill beabsichtigte, die hohe Geistlichkeit zu besteuern, die geistlichen Sine-curen aufzuheben und die Zahl der Bischöfe zu vermindern. Die Vestry-Acte, wonach zwei Protestanten, die in einem Kirchspiel wohnten, die Ka-tholiken zwingen konnten, ihnen eine Kirche zu bauen, wurde aufgehoben.Die Zinspächter der Kirchengüter sollten den Pacht an den Staat zah-len und allmälig vollkommene Eigenthümer werden. Was durch dieseBesteuerung gewonnen wurde, sollte zunächst zur Unterhaltung der Kirchendienen, der Ueberschuß aber zur Gründung eines Schulfonds verwendefwerden. Dieser letzte Punkt — die sogenannte Approbationsclausel — er-regte den Unmuth der Tones und der anglikanischen Geistlichkeit, dieüber Kirchenraub schrie und die Heiligkeit kirchlichen Eigenthums mit
13 "