2. Kap.) Kamps dir Christines und Carlistm. 205
fangen hielt, theils die Aushebung der alten baskischen Fueros durch dieRegentin Christine die Bevölkerung in grimmige Wuth versetzt hatte.Der Minister Zea Bermudez glaubte mit einigen lib.ralifirendenDe-creten über die Presse, das Schulwesen, den Handel u. s. w., die carli-stische Bewegung dämpfen zu können, fand sich aber sehr getäuscht. Derspanische Staatsschatz war schon längst leer, die Finanzen zerrüttet, dasHeer im elendesten Zustande, undisciplinirt und ohne geschickte Anführer;während der dämonische Pfarrer Merino mit seinen Guerillabanden bisan die Thore der Hauptstadt streifte, und die carlistischen Armeen vonkühnen und talentvollen Feldherren commandirt wurden. Der bedeutendsteunter denselben war T homas Zuma lacarreguy, der in Welling-ton's Schule gegen Soult und Maffena gefochten, und neben mathema-tischen und technischen Studien sich mit den alten Heroen der Kriegskunsteifrig beschäftigt hatte. Mit der Kühnheit eines Cid verband er die Lei-denschaften Alba's, mit dem FelLherrnblick Cäsar's die moralische Ueber-legenheit eines Napoleon. Unter ihm diente sein Freund Rafael Ma-roto. Beide waren der bigotten Partei der Absolutisten und Aposto-lischen abgeneigt und nicht im Zweifel über die Unfähigkeit des Jnsanten.Aber Zumalacarreguy glaubte an das bessere Recht des Don Carlos, alser für ihn die Waffen ergriff, und wollte vor Allen die Fueros seines Va-terlandes (von 1394) nicht durch die Christines schmälern lassen.
Am Hofe der Regentin Christine bekämpften sich die conservativ-monarchische Partei Zea Bermudez's und die liberal-monarchische Parteides Marquis von Mirastores, welcher endlich seinen Gegner aus demFelde schlug und die Regentin bewog, ein freisinniges Ministerium zu er-nennen, da der Kamps gegen Don Carlos ein Principienkampf zwischenbigottem Absolutismus und liberalem Monarchismus werden müsse. Chri-stine ernannte Marti nezdelaRosa zum Ministerpräsidenten (1834),während Mirastores nach London eilte und dort den Quadrupelvertrag zuStande brachte, jenen wichtigen Act, den die drei absoluten Großmächtenicht ohne Besorgniß aufnahmen. Die nächste Folge dieses Vertrages wardie Beendigung des Bürgerkriegs in Portugal und die Reise DonCarlos' nach England, wo die Regierung mit ihm über die Bedingungenverhandelte, unter welchen er der spanischen Krone entsagen sollte. Da-mals hatte Zumalacarreguy gerade bedeutende Erfolge über diechristinischen Generale Sarssield, Valdez und Quesada davongetragen.Wollte er jene nicht preisgeben, so mußte Don Carlos selbst in Spanienerscheinen, um den durch den Vertrag von Evora gesunkenen Muth derCarlisten neu zu beleben. So verschwand Don Carlos plötzlich vom eng-lischen Boden und reiste verkleidet durch Frankreich in Begleitung einesHerrn von St. Silvain, den er später zum Baron de los Balles ernannte.Seine Ankunft in Spanien brachte neue Thätigkeit unter seinen Anhän-