2. Kap-s
Das Ministerium Thiers.
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bedungen hatte, dem König die Ministerliste: Remusst, Inneres;Pelet, Finanzen; Gouin, Handel;Cousin, Unterricht; Eubieres,Krieg ;Vivien,Justiz;Jaubert, öffentliche Arbeiten. Dieses „liberale"Ministerium trat nach Außen mit einer herausfordernden Prahlerei aus,und setzte, indem es den Krieg mit den vier Großmächten wegen Mehe-med Ali als nahe bevorstehend ankündigte, das alte LieblingSproject desKönigs, die Befestigung von Paris, durch. Mebemed Ali, der Vice-könig von Aegypten, war ein Favorit der französischen Regierung gewe.sen und aus Kosten der Pforte sehr bevorzugt worden. England undRußland aber haßten Mehemed Ali, das erstere darum, weil er die In-tegrität der Pforte gefährdete, das letztere, weil er ein zu kräftiger Regentwar. mit dem, wenn erPadischah geworden wäre, Rußland schwerer fertiggeworden wäre, als mit dem bei den Alttürken verhaßten Mahmud. BeideGroßmächte vereinigten sich nun zum Schutz der Pforte und zogen Oester-reich und Preußen ins Bündniß, um Mehemed Ali zur Herausgabe Sy-riens zu zwingen. DaS Bündniß zwischen England, Oesterreich, Preußenund Rußland wurde am 15. Juli 1840 abgeschlossen. Am 19. Juligelangte die Nachricht davon nach Paris, wo sich dieAufregung schon biszu einem bedenklichen Grade gesteigert hatte. Die Schuld davon trugThiers, der im Mai an England die Forderung gestellt und auch bewilligterhalten hatte: die Gebeine Nayoleon's von St. Helena nach Frankreichüberführen zu dürfen. Die Erinnerung an die glorreichen Tage vonMarengo, Austerlitz,, Moskau u. s. w. erwachte mit aller Stärke; mansehnte sich aus dem thatenlosen Frieden, der schlimmere Opfer, als dieKriege Napoleon's, erforderte, heraus. Jetzt bot sich die Gelegenheit.Thiers rief in der Kammer: „die orientalische Frage ist für uns amRhein!"
„Die Rheingrenze, die Rheingrenze", hallte es in ganz Frankreichwieder. Die Rüstungen in den Arsenalen und Werften nahmen einesolche Ausdehnung, daß auch Preußen seine Reserven einzog. In Preu-ßen aber, wo ein männlich kräftiger Regent den Thron bestiegen hatte,und wo das Andenken der Freiheitskriege noch fortlebte, überfluthete derKriegsenthusiasmus alle Grenzen. „Das Rheinlied" von Becker, in vie-lerlei Kompositionen gesungen, klang von den Alpen und dem Rhein biszur Ostsee und Weichsel fort. So standen sich Deutsche und Franzosenmit ihrer Marseillaise und ihrem Rheinliede drohend gegenüber: da er-folgte das Attentat Darmes', der bei einer Revue der Nationalgarde aufLouis Philipp ein mit sechs Kugeln geladenes Gewehr abgefeuert, abernur sich selbst verletzt hatte. Louis Philipp sah, wie gefährlich die Aus-regung war und welche Elemente ein Krieg entfesseln konnte; er sah ferner,daß Frankreichs Kräfte sich erschöpfen und der Krieg nur Demüthigungenherbeiführen müsse. Darum entließ er plötzlich das Ministerium Thiers