2. Kap.)
Mahmud's Reformen in der Türkei.
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allein Stadt und Weichbild Konstaniinopel verlangte, brach Napoleon dieUnterhandlungen mit den Worten ab: „Konstantinopel, Konstantinopel?"„Nie und nimmer!" denn das wäre die Herrschaft der Welt. Der rus-sisch-französische Krieg schaffte der Pforte einige Ruhe, obwohl Rußlanddurch das im Bukarcster Frieden erworbene Schutzrecht über die Donau-fürstenthümer stets seine Hände in den inneren Angelegenheiten des türki-schen Reichs behielt. Inzwischen hatte hier Mahmud II. (1808 bis1839) den Thron bestiegen, ein Herrscher, bei dem die Janitscharen keinefeindliche Gesinnung vermutheten, da er im Serail aufgewachsen war undnur die Kunst der Kalligraphie betrieben hatte. Mahmud H. faßte aberdie Resormpläne Selim's von Neuem auf und nachdem er mitten im grie-chischen Kriege die aufrührerischen Janitscharen vernichtet hatte (1826),ging er daran, mit eiserner Festigkeit die Grundlagen des türkischen Reichsumzuformen. Zunächst galt es der Reorganisation des Heeres, die theilsvon französischen, theils von preußischen Osficieren bewerkstelligt wurde,ein großes Unternehmen, in welchem nicht einmal der russisch - türkischeKrieg von 1828—1829 eine Stockung hervorbrachte. Nach dem Friedenvon Adrianopel griffen die Reformen noch mehr in die Tiefe, wenn auchder Sultan, nach Peter's Vorbild, denTürken imAeußeren, in Kleidungund Sitte, manche unliebsame Neuerung aufdrängte. Die Hauptsachewar, daß die Aristokratien der Paschas und Spahis, der Ulemas und derWechsler aufgehoben, der mittelalterlich-osmanische Lehnsstaat in einenmodern-bureaukratischen Staat umgewandelt werden sollte. Die Paschassollten aufhören, Lehnsleute zu sein und sich ihrer Pflicht nur durcheine Tributzahlung zu entledigen; sie sollten abhängige Beamte werden,weiche die Steuern von den Unterthanen erhoben, wodurch diese vor denBedrückungen der Wechsler, welche ihrerseits den Paschas die Steuernund Zölle abgepachtet hatten, geschützt werden sollten. Die Güter der kleinerentürkischen Lehnsleute (Spahis) wurden in Privatgöter umgewandelt. Da-durch bahnte der Sultan eine allmälige Gleichstellung der christlichen Ra-jahs mit den Türken an. Die Classe der türkischen Rechts- und Gottes-gelehrten (Ulema), deren Haupt der Scheik-ul-Jslam ist, hatte von Altersher im großen Staatsrathe (Divan) unermeßlichen Einfluß, da der Korannicht nur die religiöse, sondern auch die politische Grundlage des türki-schen Reichs bildete, und der Padischah sowohl Kalif als Großsultan war.Die Ulemas widersetzten sich aber jeder Neuerung. Mahmud wußte siedurch terroristische Maßregeln bald zum Schweigen zu bringen. Diestillen Fluchen des Bosporus empfingen die Opfer, welche der türkischenReform dargebracht wurden.
Es dürfte kaum geleugnet werden, Laß Mahmud's Pläne, wennsie energisch betrieben wurden und sich befestigen konnten, eine innere Kräf-tigung des osmanischen Reiches ermöglichten. Dies konnte RußlandWeltgeschichte, Hl. 15