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Ausstände in Albanien und Bosnien.
s2. Kap.
aber keineswegs genehm sein; es suchte daher die Ruhe des Reichs zustören, die vielen Unzufriedenen zu Ausständen zu reizen, um das Reform-werk aufzuhalten und fich dann dem bedrängten Sultan zum Retter an-zubieten.
Noch während des russischen Krieges hatten die türkischen Familienin Bosnien und Albanien, besorgt um ihre feudale Unabhängigkeit, Un-ruhen erregt und die Paschas zum Theil dem Sultan den Gehorsam ver-weigert. Im Jahre 1830 sandte der Sultan seinen tapfern und schlauenGroßvezier, Redschid Pascha, gegen den Pascha Mustapha von Sco-dra und die Albanesen. Redschid bemächtigte sich der albanesischen Häupt-linge durch List, mit Ausnahme Mustapha's. Dieser und Hussein Paschain Bosnien faßten nun den kühnen Gedanken, nach Konstantinopel zumarschiren und mit Hilfe der Unzufriedenen den Sultan zu stürzen.Redschid wußte durch Unterhandlungen die Rebellen zu trennen und be-siegte Mustapha bei Perle pe (20. April 1831). Mustapha selbst ent-kam glücklich nach Scodra. Als Redschid nun gegen Hussein und seinenFreund Ali Widaitsch zog, erlitt er eine empfindliche Niederlage und rettetesich nur durch listige Unterhandlungen, in welchen er im Namen des Sul-tans den Bosniern versprach, keine Reformen einzuführen und den Vezierstets aus den Eingeborenen zu ernennen. Ohne auf einen Ferman desGroßherrn zu warten, zerstreute sich das Heer der Bosnier. Mustaphaunterwarf fich gegen das Versprechen der Amnestie und enthüllte dem Sul-tan die Beziehungen, in welchen Mehemed Ali von Aegypten zu der bos-nisch-albanefischen Verschwörung gestanden hatte. Redschid aber hausteschrecklich in Albanien und hatte am Ende des Jahres 1831 diese Pro-vinz gänzlich unterworfen. Nun ernannte der Sultan den KaraMahmudzum Vezier von Bosnien, indem er den von Redschid eingegangenen Ver-trag nicht genehmigte. Der betrogene Hussein setzte fich zwar verzweifeltzur Wehre, mußte jedoch über die Grenze fliehen, nachdem er zwei Tres-sen verloren hatte. Die Pforte benahm sich gegen dieBesiegten mild undgewährte Allen eine vollständige Amnestie (1832).
Diese Verlegenheiten der Pforte benutzte Mehemed Ali, Paschaund Vicekönig von Aegypten, um seine Macht zu vergrößern. MehemedAli war ursprünglich Tabakshändler, trat dann in die Dienste der Pforte,kämpfte in Aegypten gegen die Franzosen, wurde endlich Pascha in Aegyp-ten und befestigte seine Herrschaft durch einen verrätherischen Mord anden Beys der Mamelucken. Darauf führte er mit Hilfe französischerOfficiere eine Reform des Heerwesens durch, erwehrte sich der Engländerglücklich und strebte dahin, das Land in besseren Culturzustand, seine Fi-nanzen in blühendere Umstände zu bringen.
Die Mittel, welche er dazu anwendete, gehörten freilich nicht derCivilisation an; aber verkennen darf man nicht, daß im Orient ein träges