Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
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245
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3. Kap.) Der Hegelianismus und die Lichtfreunde. 245

bat jedoch eine wohlthätige Bewegung der Geister, ein höchst reges wissen-schaftliches Leben und ein innigeres Anschließen der Menschheit an die po-sitive Religion erzeugt. Zwar ging manche schöne, jugendliche Kraft da-bei verloren, wie auch in Gefechten Einige fallen; aber diejenigen, welchegeistig oder praktisch diesen Proceß durchmachten, und narbenbedeckt, demGetümmel und dem Tode der eitlen Selbstsucht entrannen, stehen geläu-terter und vor Verirrungen geschützter da, als die, welche der Gefahr stetsden Rücken gewendet haben.

Die Aengstlichkeit der Regierungen und ihr gemeinsames Bestreben,die Menschen gewaltsam an das Positive, namentlich den Symbolglaubenzu binden, erzeugte bei vielen Gebildeten die Furcht, alle Freiheit derForschung einzubüßen, welche bisher Theologie, Philosophie und Staats-wiffenschaft genossen hatten. Die Rationalisten rückten daher näher zu-sammen und hielten die Versammlungen der „Lichtfreunde" unter Uhlich'sund B. König's Aegide in Köthen ab, und der philosophisch gebildeteWislicenus in Halle suchte die letzten Gründe der Hegel'schen Philosophie ineiner „freien Gemeinde" zu verwirklichen, nachdem er die Norm des „Geistes"der Norm der „Schrift" vorgezogen hatte. Der Berliner Magistrat über-reichte dem Könige eine Adresse, in welcher man die Spuren verfolgenkonnte, wie tief derHegelianismusinsVolkgedrungenwar(1845). KönigFriedrich Wilhelm IV, in welchem sich die ideelle Einheit von Wissen undGlauben zur schönen Persönlichkeit verkörpert hatte, und der eine Ideevon seinem königlichen Walten auf den Thron mitbrachte, für die seinerZeit das Verständniß abging, war sowohl gegen alle Ausschweifungen dersnbjectiven Philosophie, theils gegen die bloße Symbolgläubigkeit, theilsgegen die Abhängigkeit der Kirche vom Staat eingenommen. Er wünschteeine Durchdringung jener geistigen Elemente, und fand dieselbe sowohlin der Romantik der bildenden und dichtenden Künste, wie in derOffenbarungsphilosophie Schelling's- Das nahe Hinstreifen der Romantikan den Katholicismus, welches sich in den Uebertritten der Schlegel,Werner, Stollberge, Görres, Haller, Hurter, Philipps u. A. m. offenbarthatte, ferner der noch schwebende Kirchenstreit wegen der gemischten Ehen,die Zunahme der Wallfahrten und Anderes mehr, riefen jedoch ein unbegrün-detes Mistrauen gegen katholistrende Tendenzen der Regierung wach.Was dem Könige bei dem Kölner Dombau reine Sache der Kunstwar, wurde von Böswilligen sofort als heimliche Hinneigung zum Katho-licismus ausgelegt. Einzelne willkürliche Schritte, die untergeordneteGeister thaten, z. B. die Anfrage an Görres wegen eines Bündnissesder protestantischen mit der katholischen Kirche, ein Factum, das Görresselbst in den historisch-politischen Blättern als geschehen zugiebt, schienendas Mistrauen zu bestätigen. Der König hatte nie daran gedacht, undmußte sich aufs Tiefste gekränkt fühlen, daß er überall mjsverstanden