Band 
(1815 - 1854)
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248
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Der Christkatholicismus.

s3. Kap.

die näheren Beziehungen zwischen Liberalen und Radicalen einerseits und denChristkatholiken andererseits ans Licht kamen. Auch daß die Behör-den dem „Christkatholicismus" Schwierigkeiten machten und die protestan-tische Geistlichkeit ihn nach dem Leipziger Concil (25. März 1845), woein rationalistisches Glanbcnsbekenntniß aufgestellt wurde, ausgab, undendlich, daß die neuen Gemeinden Mangel an bedeutenden Köpfen undkräftigen Charakteren litten und in einer unklaren Stellung zwischen Glau-ben und Unkirchlichkeit verharrte», trug zum Verkommen des Christkatholi-cismus wesentlich bei. Der von früher her (S. 11) bekannte Dr. LntonTHeiner hatte bei seinem Uebertritt zum Christkatholicismus etwas An-deres erwartet, als nüchternen Rationalismus und Radicalisrius, und'der berühmte Nees vonEsenbeck suchte im Christkatholicismus dieVerwirklichung seiner religiös-socialistischen Philosophie, die, vor Schellingausgegangen und vermittelt durch eine schwärmerische Liebe zu der finni-gen Pflanzenwelt, bei jener idealistischen Liebe zur Menschheit aufhörte,welche die Grundlagen der gegenwärtigen Gesellschaft durch Vernunftund Religion umgestalten will. Das Auftauchen socialistischer und com-munistischer Lehren in Deutschland und deren Hinübergreifen in den Christ-katholicismus erregte bei den Besitzenden große Besorgniß. Die Weber-unruhen in Langenbielau und Peterswaldau'<1844), welche einen wun-den Flecken in unserer so hoch gepriesenen Civilisation aufdeckten, dieVerhaftung Schlöffel's und die angebliche Entdeckung einer Communisten-verschwörung im Riesengebirge (1845 ), endlich der von Bluntschli be-leuchtete Proceß des Kommunisten Weitling in der Schweiz, forderten dieRegierungen zur Vorsicht auf. Dieses Durcheinander plötzlich auftretenderGeisteserscheinungen erzeugte eine so unglaubliche Verwirrung unterden Menschen, daß Freunde und Genossen miteinander,zerfielen und diethörichtsten Verleumdungen herüber und hinüber erschallten. Jesuit, Ron-geaner, Communist, Bourgeois. Lichtfreund, Finsterling, Absolutist undLiberaler ging es hinüber und herüber, — und wenn es noch dabei gebliebenwäre! An manchen Orten kam es bei solchen massenhaften Misverständ-nissen und Unbesonnenheiten einzelner Ultras sogar zu Blutvergießen, wiein Leipzig, Köln u. a. O. Im Jahre 1847, wo das königliche Patent(3. Februar), über die vereinigten Reichsstände erschien, und die über-raschende parlamentarische Beredsamkeit der preußischen Stände und Mi-nister jegliches Interesse in Anspruch nahm, wo endlich der gräßliche Hun-gertyphus in Oberschlefien und dem Eulengebirge zahlreiche Opfer forderte,legte fich diese Bewegung etwas. Man vereinigte sich in Gesellschaften zurLinderung der Hungersnoth, bis der Frühling von 1848 die Stellungaller Parteien vollständig verrückte.

Bei der Entschiedenheit, mit welcher in Europa der Socialismusund Communismus im Jahre 1848 auftreten, ist es nothwendig, dieGe-