3. Kap.)
Socialismus und Communismus.
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schichte dieser gesellschaftlichen Lehren hier kurz zu berühren. Die socialenLehren sind so alt, als die Gründung von Staaten. Sobald die Men-schen sich ein Ideal des Staates machten und die Unangemeffenheit dessel-ben mit der Wirklichkeit erkannten, mußte auch das Streben entstehen,die theoretische und praktische Seite der Idee in Einklang zu bringen.Die Zustände der Armuth und der körperlichen Gebrechen, die Gerechtig-keit gegen den Arbeiter waren daher in den Gesetzgebungen des Moses,Lykurg und Konfucius vorgesehen und der Einzelne auf die Wohlthätig-keit, das Ganze auf die Sorge für die Bedürftigen hingewiesen worden.Plato proclamirte sogar, um die sociale Haupttugend der Gerechtigkeitzur Geltung zu bringen, die Gütergemeinschaft. Die Essäer hatten ausNeigung und freiem Antrieb das Privateigenthum aufgehoben. Lici-nius Stolo und die Gracchen wollten einer zu großen Ungleichheit desVermögens durch ihre Gesetze vorbeugen. Jesus Christus machte dieBarmherzigkeit zur ersten Pflicht, zur Basis jener erhabenen Moral, welchevon der Bruderliebe ausgeht und zur Gottesliebe zurückkehrt. Daherfinden sich bei den Aposteln scheinbar socialistische Lehren und die erstenChristengemeinden lebten in freiwilliger Gütergemeinschaft. Die Mönchs-orden des Mittelalters können als die Fortsetzungen dieser urchristlichenGemeinschaft angesehen werden. Chrysostomus, Ambrofius, Augustiners,Pelagius, Thomas von Aquino und Andere erklärten jede Zinszahlungfür Wucher und eiferten für eine christliche Verwendung des Privateigen-thums, das nur ein von Gott dem Einzelnen anvertrautes Gemeingut sei,wovon er einen rechten, evangelischen Gebrauch zu machen habe. Die re-formistisch - evangelischen Ketzer des Mittelalters, die Wiedertäufer undThomas Münzer benutzten die Lehre der christlichen Gleichheit als Haupt-hebel ihrer kirchlichen Opposition. Die sittlichen Greuel. welche sich dieWiedertäufer mit ihrem Communismus zu Schulden kommen ließen, be-wirkten, daß sich die Erkenntniß gesellschaftlicher Mängel und deren Ab-hilfe aus der Praxis in Romane flüchtete. Thomas Morus' Utopia,Baco's Atlantis, Campanella's Sonnenstaat, Valentin Andreä's Beschrei-bung der Republik Christiansburg (Neuere Geschichte S. 534), und Fe-nelon's Telemach gehören hierher. Kurz vor der französischen Revolution,als das Bankwesen und die Industrie ihre Wirkungen zu äußern began-nen, machten es sich die französischen Denker Morelly, Necker und Mablyzur Aufgabe, auf wissenschaftliche Weise die Gründe der socialen Ungleich,hell und die Mittel zur Abhilfe des Elends aufzusuchen. Göthe undLessing haben sich mit ähnlichen Gedanken beschäftigt, die Reformder gesellschaftlichen Grundlagen aber mehr als künstlerischen Vorwurs,denn als Postulat der Staatsidee behandelt. Der Vater unsersheutigen Communismus ist Baboeuf, zur Zeit der französischen Re-volution , wo die Idee der Gleichmacherei von Unten anfing und beim