3. Kap.) Verdienste Fr. Wilhelm's IV. um die Wissenschaften. 25 7
„welche ihres auf die Bibel als Grundquelle und die symbolischen Bücherals Norm des Kirchenglaubens geleisteten Eides vergaßen."
Mit der Geistesindividualität des Königs hingen auch die ver-schiedenen Berufungen von Gelehrten und Künstlern nach Berlin zu-sammen, die, aus freiem Entschluß des Königs hervorgegangen, nichtimmer „ Strengkirchliche" trafen. Alexander von Humboldt, dieser Uni-versalgenius , der mit einem Blick die Reiche des Realwiffens über-schaut, und jeden Gedanken in schöne Form zu prägen versteht, wurdedes Königs vertrauter Freund und Rathgeber im wissenschaftlichen Ge-biet. Neben ihm stand v. Radowitz in nächster Nähe des Königs, derüber alle Fächer des Wissens gleich geistreich zu sprechen wußte, unddessen kindlich - mildes Gemüth, dessen deutsch-patriotisches Herz immerallgemeiner gerühmt ward. Die Generäle v. Thiele I., v. Gerlach, derMinister Eichhorn und Graf Stolberg gehören schon der reflectirtgläubigen Richtung an. Götze wurde Präsident eines Appellations-
gerichts, Haffenpflug Geheimer Obertribunalsrath, Göschel und derRegierungspräsident Graf Stolberg, Conststorialpräfidenten. Schel-lt n g kam nach Berlin, um dort seine „positive Offenbarungsphilosophie"vorzutragen, die, Jahr um Jahr verheißen, noch immer nicht erschienenist, wenn wir nicht etwa das Plagiat von Paulus: „Die endlich offenbargewordene Offenbarungsphilosophie, 1843" dafür nehmen wollen. Ti e ck,von Dresden herbeigerufen, wo man andächtig seinen Worten gelauschthatte, betrat das glatte Parquet von Sanssouci und wurde Vorleser desKönigs. Stahl erschien als Professor in Berlin; der Dichter Herweghwurde vom König empfangen, was Jenem so den Kops umnebelte, daß ereinen offenen Brief in unpassender Form an den König erließ; die Dich-ter F r e i l i g r a t h und G e i b e l erhielten Pensionen, welche Ersterer 1844mit seinem die radicale Laufbahn einschlagenden „Glaubensbekenntniß" ehr-lich zurückgab; die Gebrüder Grimm erhielten an der Akademie derWissenschaften und der Universität einen ehrenvollen Wirkungskreis. DerVeteran Rauch schuf sein Standbild Friedrich Wilhelm III. in Kö-nigsberg und das großartige Denkmal Friedrichs des Großen in Ber-lin. Schinkel baute das neue Museum und den Campo Santo inBerlin, welche von Cornelius und Kaulbach mit Frescogemäl-den geschmückt wurden. So erfreuten sich die Wissenschaften und Künsteder hohen Fürsorge des Königs. Nicht minder war dies mit demHandel- und Gewerbfleiß, überhaupt mit dem materiellen Wohl sei-ner ärmeren Unterthanen der Fall. Mit Belgien wurde ein Handels-vertrag geschloffen, aber auch das Cartel mit Rußland erneuert. Ammerkwürdigsten war die deutsche Industrieausstellung 1844 in Berlin, inFolge deren ein Verein für das Wohl der arbeitenden Classen gegründetwurde, aber wie so Vieles keinen rechten Fortgang fand, weil die BehördenWeltgeschichte. III. i 7