258 Verdienste Fr. Wilhelm's IV. um die Presse. 13. Kap.
fürchteten, der Verein könne bei den niedern Ständen zu viele Hoffnungenerwecken, und bei deren Nichterfüllung die in den schlefischen Gebirgs-districten herrschende Währung steigern. Es ist wahrhaft tragisch, zu sehen,wie über den besten Absichten des Königs ein Unstern waltete. Daßaber das Gefühl im Volke lebte, der König wolle das Beste, und daßman sein edles Streben zu schätzen wußte, zeigte sich in der allgemeinenTheilnahme und Beglückwünschung, nachdem Tschech's rachsüchtiges undverruchtes Attentat durch die Vorsehung so glücklich abgewendet war (26.Juli 1844). Dieses Attentat hatte aus das innere Staatsleben sehrnachtheiligen Einfluß, indem die Maßregeln, welche der König zur Ent-fesselung der Presse und Fortbildung der Ständeverfaffung getroffen hatte,einige Zeit fistirt wurden.
„Freie Fürsten, freie Völker!" ist des Königs Wahlspruch gewesen.Diese Freiheit war aber nicht die constitutionelle. welche die Liberalen soungestüm forderten; es war jene ideelle Freiheit, welche die Gemeinde, denStaat und die Kirche durchdringen, aber auch von dem Könige ihre Regelerhalten sollte. Als der König sich am 3. September 1840 in Königs-berg huldigen ließ, verzichtete der Landtag aus die Bestätigung seiner Pri-vilegien und trug auf reichsständische Verfassung an (7. September). DerKönig lehnte diesen Antrag ab und erläuterte zur Beseitigung von Mis-verständniffen seine Erklärung dahin, daß er niemals „seine Zustimmungzu dem in der ständischen Denkschrift enthaltenen Antrage auf Entwicke-lung der Landesverfassung im Sinne der Verordnung vom 22. Mai 1815ausgesprochen hätte." Diese Enttäuschung hatte zwei Flugschriften zurFolge. Die eine: „Woher und Wohin?" wird dem Minister von Schönzugeschrieben; die andere: „Vier Fragen eines Ostpreußen," rührt von vr.Jacoby her. Beide Flugschriften machten enormes Aufsehen, und entschie-den die Taktik der liberalen Partei: nicht zu ruhen, bis die Verordnungvom 22. Mai 1815 ins Leben getreten sei. Die Communalbehördenmußten derartige Petitionen vor die Landtage bringen. Man bat theilsum Oeffentlichkeit der Stadtverordnetenversammlungen, die 1847 gewährtwurde, theils um Aushebung der zeitherigenBeschränkungenbei der Wahlder Landtagsabgeordneten, theils um reichsständische Verfassung, freie Presseund dergleichen mehr. Diese Bestrebungen waren nicht ohne Erfolg. DasMinisterium erließ eine Verordnung über mildere Handhabung der Cen-sur (1841), und am 4. October 1842 der König eine Cabinetsordre,wonach Bücher über zwanzig Bogen censurfrei sein sollten. Später konntenMonatsschriften sogar ohne Concession erscheinen. Zugleich setzte man einBerichtigungsbureau ein. Die Bildercensur wurde aber schon am 3. Febr.1843 wieder eingeführt, die Rheinische Zeitung (1. April 1843) unter-drückt und die Leipziger Allgemeine Zeitung (28. December 1842) ver-boten. „Um aber dieAuslösung derWiffenschaft undLiteraturinZeitungs-