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(1815 - 1854)
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262
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262 Verhandlungen des ersten Vereinigten Landtags. (3. Kap.

einmal so viele tüchtige Redner hergekommen seien. Ein Fehler derRegierung war es, daß die Minister nicht einig und als Vertreter einesSystems dem Landtage gegenübertraten, weshalb ihre Redner mehr denEindruck machten, als sprächen sie als Einzelne, gleich den conservativenMitgliedern der Versammlung, ihre Ansichten aus. Die entschiedene Oppo-sition von hundertachtunddreißig Mitgliedern suchte vergeblich die älteren undvon ihnen im konstitutionellen Sinne aufgefaßten Verheißungen aufrecht-zuerhalten. Ihren größten Sieg erfochten die Liberalen in der Sitzungvom 4. Juni, wo der Antrag aus zweijährige Berufung des Landtags undauf dessen Berechtigung, zu Anleihen und Steuern seine Zustimmung zugeben, durchging. Die Herrencurie erklärte sich ebenfalls für Periodicitätder Landtage (18. Juni), überließ jedoch die Bestimmung der Frist demKönige. Die Ständecurie nahm diesen Antrag mit vierhundertachtzehngegen einunddreißig Stimmen am 23. Juni an, beharrte aber mit dreihun-dertsechzig gegen hundertsechsundvierzig Stimmen in der Staatsschulden-srage auf ihrem ersten Beschlusse. Ein Versuch der Opposition, die Re-gierung zu weitergehenden Vorlagen bezüglich der Verfassung zu vermö-gen, scheiterte. Vincke bekämpfte nämlich die Regierungsvorlage einerAn-leihe zum Bau der Ostbahn, obwohl letztere allerseits für nothwendig er-kannt wurde, wenn die Regierung nicht den Verfassungswünschen derOpposition Genüge leiste. Da die Regierung sich keinen moralischen Zwangauferlegen lassen wollte, so versagte die Ständecurie mit dreihundertachtziggegen hunderteinundvierzig Stimmen die Genehmigung der Anleihe (12.Juni). — Das Judengesetz erhielt einige freisinnige Aenderungen, wennauch Jsraeliten noch von der Ausübung ständischer Rechte ausgeschlossenblieben (14.—19. Juni). Am 24. Juni lehnte der König die auf Ver-fassungsänderung gerichteten Anträge ab und gebot dieWahl zu den Aus-schüssen. Dabei enthielten sich achtundfunfzig Abgeordnete der Wahl,hundertsiebenundsechzig wählten mit Vorbehalten, zweihundertachtundvier-zig aber unbedingt. Später weigerten sich einige der Gewählten, der Ver-sammlung der Ausschüsse (17. Januar 1848) beizuwohnen und Schwe-rin legte nochmals Verwahrung ein. Bodelschwingh schloß am 26. Juni1847 den Landtag, und der König erließ am 24. Juli einen frostigabgefaßten Landtagsabschied, worin er die meisten liberalen Beschlüssedes Landtags abwarf und die Selbsttäuschungen des Publicums ver-nichtete. Eine gewisse Misstimmung wegen getäuschter Hoffnungen tratimmer offener zu Tage. Alle Schichten der Gesellschaft befanden sich ineiner geheimnißvoll unbehaglichen Stimmung. Freilich waren Besorgnisseganz materieller Art daran fast allein Schuld.

Die Ernte des Jahres 1846, wie die des Jahres 1845, war inDeutschland nur sehr mittelmäßig gewesen; die Kartoffeln, schon mehrmalsder Fäulniß unterlegen, erreichten einen unerhörten Preis; das Korn stieg