Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
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263
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3. Kap.)

Die Theuerungsjahre 1845 — 1847.

263

der Scheffel auf drei Thaler; der Winter war kalt und anhaltend; dieDiebstähle mehrten sich, die Bettelei wuchs zusehens; hier und da schrieman über Kornwucher und insultirte die Getreide- und Victualienhändleroft thätlich. Die armen Weber in Schlesien nährten sich von Kleienbrei,oder Gras, oder suchten den Abfall der Rinnsteine und noch Ekelhafte-res auf. In mehreren Städten brachen Tumulte der hungernden Arbei-ter gegen die angeblichen Kornwucherer aus.

Kaum begann man unter den ermuthigenden Wirkungen eines zeiti-gen Frühlings wieder aufzuleben, als der revolutionäre Sturm die Un-ruhen und Besorgnisse vergrößerte. Die ständischen Ausschüsse hattensich am 17. Januar 1848 zur Berathung des mit vielen barbarischenStrafen ausgestatteten und einer mittelalterlichen Anschauung entsprosse-nen Strafgesetzbuches versammelt, und beriethen noch die einzelnen Para-graphen, als schon die ersten Nachrichten der Februarrevolution anlangten,deren Wirkungen dem Könige von Preußen ein größeres Feld der Thä-tigkeit in Deutschland anzuweisen schienen.

General von Radowitz hat uns in seiner Schrift: „Deutschlandund Friedrich Wilhelm I V.", 1848, einen Blick in die rühmlichen Bestre-bungen des Königs für die Einheit Deutschlands thun lassen. Bei Fried-rich Wilhelm'S IV. Thronbesteigung drohte ein Weltkrieg zu entbrennen,und in welcher Verfassung befand sich das deutsche Bundesheer! DerKönig sah mit Betrübniß, daß die westlichen Grenzen Deutschlands wehr-los, die Kontingente der Einzelstaaten theils unvollständig, theils garnicht im Felddienst und Manövriren geübt und die Arsenale leer waren.1840 trat auf Preußens Andringen die erste wirkliche Controle des Bun-desheeres ein, die Vieles zu bemängeln fand, aber auch für Abstellung derMisbräuche sorgte. Seit dieser Zeit sind die gegenseitigen BundeSinspec-tionen in Zug gekommen, und die kleineren Contingente mit größerenTruppenteilen zu Manövers vereinigt worden. Metternich blickte auf die-ses Vorgehen Preußens nicht gerade liebevoll herab, aber er konnteseine Mitwirkung nicht versagen. Noch mehr erstaunte er, als der Königdem fünfundzwanzigjährigen Streite, ob die französische Kriegsentschädi-gung zu einem Festungsbau in Ulm oder Rastadt verwendet werden sollte,ein Ende machte, sich für beide Städte entschied und den Mehrbetrag, so-weit er auf Preußen fiel, mit fünf Millionen Gulden anbot (1841).Als Vorbereitung zu einer Reform des Bundes wirkte Friedrich Wilhelmfür die Entfesselung der Presse und die Veröffentlichung der Bundespro-tokolle. Der König sah sich aber im Ministerrath mit seinen Ansichtenallein; nur Radowitz verstand ihn und begriff Preußens Aufgabe. Diepreußischen Minister faßten theils die Opfer ins Auge, die Preußen zuge-muthet wurden, theils erklärten sie die königliche Idee für eine unausführ-