27 6 Vorgänge in Württemberg, Baden und Sachsen. s3. Kap.
Die zweite Kammer von 1847 strich sogar die Censurkosten vom Bud-get. Bei Eröffnung des Landtags von 1848 (22. Januar) versprachder König öffentlich - mündliches Gerichtsverfahren, ein Gcmeindegesetz,Vorlagen über Ablösung der Bannrechte und anderer Grundlasten, undkündigte an, daß er beim Bunde ein Preßgesetz beantragen werde.
Das System des Herrn v. Blittersdors in Baden, welches demLiberalismus die äußere Uebermacht kaltblütig entgegensetzte, bekam durchden Eintritt des Freiherrn von Dusch 1843 und des StaatSraths Ne-beniuS l844 einen milderen Charakter. Blittersdors. der intime Freundund aufrichtige Verehrer Metternich's, ging wieder als Bundestagsgesandternach Frankfurt. Die Eisenbahnsrage wurde in Baden schon 1842 gelöst.Der von dem PfarrerZ itt e l gestellte Antrag auf Religionsfreiheit (1845)gab der katholischen Partei zu vielen Gegenpetitionen Anlaß. Der Groß-herzog löste, um die wahre Stimmung des Landes zu erfahren, die Kam-mern auf (9. Februar 1846), sah aber die Opposition aus den Neuwah-len siegreich zurückkehren. Deshalb zog er den Präsidenten der zweitenKammer, Bekk, einen gemäßigten Liberalen, ins Ministerium und über-trug ihm später das Portefeuille des Innern. Dieser kluge Act der Re-gierung zersplitterte die Opposition in eine liberale, regierungsfreundlicheund eine radicale (l847). Zur liberalen Opposition gehörten: Baffer-mann, Sander, Matthy; zur radicalen Welcker und Jtzstein. In Badenkam der Junker- und Officiersstolz in einer sehr unangenehmen Weise inder Haber-Göler'schen Duellsache zu Tage. Der badische Osficier, Freiherrvon Göler, beleidigte den Banquier Moritz von Haber in Karlsruhe, einengetauften Juden, und verweigerte diesem die Satissaction. Für Habertrat nun der Russe v. Vereskin ein, schoß sich mit Göler und Beide blie-ben (2. September 1843). Der aufgeregte Pöbel und die Soldatenstürmten Haber s Haus und bedrohten sein Leben. Er verließ das Landund erschoß später denSecunvanten seines Gegners, Sarachaga (^.De-cember). Auch in der Kammer kam die Sache zur Sprache und die Oppo-sition warf der Regierung Schwäche und Parteilichkeit vor.
Im Königreich Sachsen concentrirte sich alle politische Bewegungin Leipzig. Hier erschienen die „Sächsischen Vaterlandsblätter", die „Deut-scheu Jahrbücher", die „ Leipziger Allgemeine Zeitung" und eine Mengekleiner Witzblätter, welche die liberale Partei in der Presse repräsentirten.Die beiden ersteren Zeitschriften wurden verboten. Nach dem Austrittdes edlen Linden«u, der seinen Ruhegehalt für dürftige Schullehrerbestimmte (1843), aus dem Ministerium, dämpfte die Regierung mitallen Mitteln die kirchliche und politische Bewegung, deren Gefährlichkeitsie ahnte.
Ein sehr betrübender Vorfall in Leipzig führte einen Mann zumersten Male auf die öffentliche Bühne, wo er später bedeutungs-