Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
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277
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3. Kap.)

Robert Blum und der 12. August.

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voller werden und endlich traurig untergehen sollte — RobertBlum. Er ward von armen katholischen Eltern in Köln geboren, hattefast gar keinen Schulunterricht genossen, sondern verdankte Alles einemunermüdlichen Selbststudium. Nachdem er sich als Schauspieler, Haus-knecht und Schreiber längere Zeit mühsam durchs Leben gearbeitet hatte,wurde er Theatercasfirer in Leipzig, gab das Tbeaterlexicon mit Herloß-sohn und Marggraf. und ein populäres Staatslexicon heraus und redigirtekurze Zeit die „Sächsischen Vaterlandsblätter." Obwohl von kleiner Ge-stalt und unschönem Reichern, besaß er doch einen ungewöhnlichen Gradpopulärer Beredtsamkeit, welche zuerst bei dem Schillerseste in Gohlis Auf-sehen machte. Seine allgemein gerühmte Redlichkeit, sein etwas verschleier-tes, halb schwärmerisches Auge beim Sprechen, seine ungewöhnliche Ruheund die Kenntniß und leichte Handhabung der liberalen Schlagwörter,endlich die Begründung der deutsch - katholischen Gemeinde in Leipzig,machten seinen Namen auch über Deutschland hinaus bekannt.

Damals (1845) witterte man in Sachsen bei jedem antilichtfreund-lichen Schritte der Regierung sogleich Jesuitismus und bezog diesen selbstaus den königlichen Hof zurück. Die in evunAslieis beauftragtenStaatsminister verboten alle Vereine und Zusammenkünfte, welche ge-gen das apostolische Glaubensbekenntniß eine feindliche Richtung nähmen.Diese Handlung wurde damals selbst von conservativer Seite als unpo-litisch und unangemessen bezeichnet. In der That rief sie bei dem sehrrationalistischen Sachsenvolke eine heftige Aufregung hervor, namentlichin Leipzig. Am 12. August kam der Prinz Johann, Chefder sächsischenNationalgarden, nach Leipzig zur Besichtigung. Prinz Jobann, sonst derStolz des Sachsenlandes wegen seiner ausgebreiteten Bildung, seinerRedlichkeit und Humanität, wurde diesmal mit Ungunst empfangen. Manerblickte in ihm blos das Mitglied der katholischen Kirche, die mittelsder königlichen Familie ihre Herrschaft auszudehnen strebe. Der Prinzwohnte auf dem Roßmarkte, wo sich Abends eine zahllose Menge zumZapfenstreich einstellte. Pfeifen, Toben, Schreien von der einen; Lebehochsfür Rouge, Pereats für die Jesuiten von der andern; der Gesang: „Einefeste Burg" von der dritten Seite, leiteten einen für den Prinzen sehr be-leidigenden Tumult ein. Die unschuldigen Zuschauer gafften und staun-ten ; die Einen fanden ihr Gefallen daran; die Anderen sprachen nochihre Verwunderung über die Lauigkeit der Behörden aus, als plötzlicheine Gewehrsalve krachte und sieben Menschen todt und mehrere verwundetniederstürzten. Die Schützen nämlich, welche endlich vor dem Hotel desPrinzen erschienen waren, hatten, von einigen Verwegenen gereizt, angeblichohne hinlängliche Ankündigung Feuer gegeben. Die Getroffenen warensämmtlich unschuldige Zuschauer und erregten allgemeine Theilnahme. Amandern Tage ergriffRobert Blum die Zügel der Bewegung, welche im ersten