Band 
(1815 - 1854)
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278
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278 Die Stände Sachsens, Hannovers und Kurhessens. s3. Kap.

Augenblicke Alles niederzureißen drohte und machte, indem er in Volksver-sammlungen und bei Vereinen zum Frieden sprach, jene abenteuerlichen,verderblichen Rachepläne zu Schanden, welche einige Exaltirte vorschlugen.Früher jedoch, als man glauben sollte, war die Leipziger „Bartholomäus-nacht", wie sie Freiligrath nannte, und die Symbolfrage vergessen.

Aus den Kammerverhandlungen ist Todt's Antrag aus eine Adresse(1842), das Grundsteuergesetz und die Entschädigung der zeither Steuer-freien mit drei Millionen Thalern (1843), der Bau des Elbstollens, einAntrag ausOeffenttichkeit und Mündlichkeit der Rechtspflege, zweiSteuer-ermäßigungen von 1843 und 1846, die Erbauung des neuen Museumsin Dresden, die Ermäßigung der Salzpreise, Ablösung der Lehnsgelderund der auf die Schutzunterthänigkeit bezüglichen Lasten, ein Gesetz überdas literarische und musikalische Eigenthum, eine neue Bergordnung (1846),und die Erwerbung der sächsisch-bayrischen Eisenbahn durch den Staat(1847) erwähnenswerth.

Hannovers Stände gaben seit der erfolglosen Petition für dasStaatsgrundgesetz (1841) den Kampf gegen die revidirte Constitution aus,billigten die Freihandelspolitik der Regierung und erklärten sich für die-selbe, als Braunschweig zum Zollverein übertrat, und die RegierungenPreußens, Hannovers und Braunschweigs ihrem Groll in StaatsschriftenLuft machten. Das Eisenbahnwesen wurde gefördert, wogegen die Ständeden Militairetat herabsetzten und eine Verminderung der Artillerie bean-tragten. Hannovers König fing an, populär zu werden; man lernte seineEisennatur schätzen und überzeugte sich von,dem praktischen Sinne, dener vorzüglich Englands Volkswesen verdanken mochte.

Das Verfaffungsleben Kurhessens gehört zu den dunklenBlättern der deutschen Geschichte. Hasssenpflughattedieverfaffungs-mäßige Gewalt der Stände eifrig bekämpft und die Oppositionsgliederaufs Bitterste verfolgt, jede regierungsfeindliche Aeußerung mit Chicanenund solchen Maßregeln, welche die Betheiligten empfindlich berührten, ge-ahndet. Als er die Macht der Stände gebrochen hatte, ließ ihn der Kur-fürst-Mitregent, der Haffenpflug's hochfahrendes Wesen nicht leiden mochte,ziehen (1837). Die folgenden Ministerien, das v. Hanstein's (bis1841) und das Koch's (bis 1843) bildeten mit ihrem etwas gemäßig-teren Charakter nur ein kleines Zwischenspiel, um zu den äußersten, wi-derwärtigsten Konsequenzen des Haffenpflug'schen Systems zurückzukehren.Scheffer, Volmar und Bickell unterzogen sich dieserAufgabe (1845), be-handelten die Stände höhnisch und verächtlich, förderten den Mysticismusund Pietisnms durch jegliche Mittel, nahmen an allen Denen, diesich nur die unschuldigsten Bemerkungen zu Regierungsvorlagen erlaub-ten, strenge Rache, und bestraften sogar den Referenten in dem Jordan'-schen Processe, den Rath Günste beim Oberappellationsgericht, das Jor-