Band 
(1815 - 1854)
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286
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286 Sieg der Cantonaltruppen über die FreischLrler. s3. Kap.

titanischen Diensten gegen die Aufständischen in Sicilien große Verdiensteerworben hatte. Ein Aufenthalt von zwei Stunden, welche die Freischaa-ren beim Fassen der Lebensmittel verloren, hinderte Ochsenbein, noch beiTage vorLuzern einzutreffen und durch ein paar Kanonenschüsse die Stadtzu nehmen. Major Billot ging unvorsichtig vor und gerietst bei der Em-menbrücke in Unordnung. Die Hauptcolonne, durch ein loSgegangenesGewehr erschreckt, drängte rückwärts, schoß und verwundete sich selbst,und fiel, als Ochsenbein wegen der Dunkelheit den Rückzug auf Hellbühlbefahl, um Billot's Colonne an sich zu ziehen, in einen Hinterhalt derLuzerner Regierungstruppen. Der Kampf dauerte bis Morgens 5 Uhr,worauf sich die Freischärler ergaben. In der Nacht war auch der Land-sturm der Luzerner Regierung zu Hilfe geeilt und hatte Rothpletz's Trup-pen zurückgetrieben. Diese rohen Bauern und Hirten verübten in religiö-sem Fanatismus schreckliche Greuel gegen die Flüchtlinge, wie die unver-hältnißmäßige Zahl der Todten zu den Verwundeten zeigt. Dreihundert-funfzig blieben todt und nur achtundsechszig verwundet! In der Emmesoll man Leichen mit zusammengebundenen Armen und Beinen gefundenhaben. Die Lage der achtzehnhundert Gefangenen war sehr traurig; be-sonders schlimm ging eS den Luzerner Bürgern, namentlich dem Dr. Stei-ger, der nach einer Haft von vier Wochen im Keffelthurm schon das fürch-terlichste Gliederreißen bekam. Steiger wurde als Hochverräther zum Todeverurtheilt, wiewohl sein Vertheidiger, Kasimir Pfpffer, zu erweisen be-müht war, daß hier nur das Verbrechen des Aufruhrs vorliege. Die Re-gierung wurde jedoch mit Bitten, sogar von Bischöfen, heftig bestürmt,und kam zu dem Entschluß, milder gegen vr. Steiger zu verfahren. Siefragte bei vielen Regierungen herum, ob sie den vr. Steiger bewachenwollten und fand endlich Sardinien dazu bereit. Ehe aber vr. Steigerdahin abgeführt wurde, entfloh er seiner Haft und kam glücklich in Zürichan, wo er das Bürgerrecht besaß. Schon vorher hatten die LuzernerStaatsmänner gestattet, daß die Cantone ihre Angehörigen für 350,000Francs zurückkaufen dursten. Außerdem übernahm die Eidgenossenschaft150,000 Francs, um die Kriegskosten der Urcantone zu decken. ZweiAusländer, Daffner aus München und Georg Fein aus Brannschweig,wurden an Oesterreich ausgeliefert und dieses beschämte die Luzerner Je-suiten in Humanität. Daffner blieb in München »»belästigt und Feinwurde nach Amerika entlassen.

Dieser Freischaarenzug vergrößerte den Riß zwischen der katholischenund protestantischen Schweiz. Als nun der Erziehungsrath Leu vonEbersol in Luzern, ein aufrichtiger Freund der Jesuiten, am 19. Juli1845 ermordet wurde, sprachen die Radicalen von Selbstmord, währenddie Ultramontanen, die in Leu eine ihrer Hauptstützen verloren, die ge-sammte Gegenpartei beschuldigten, einen politischen Mord beschlossen und