Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
Seite
287
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3. Kap.) Ermordung Leu's von Ebersol. — Oberst Ochsendem. 287

durch Bestechung eines Meuchlers ausgeführt zu haben. Später machteman den Mörder in der Person des Jacob Müller von Stechenrain. eineshöchst verworfenen Menschen, ausfindig und ließ ihn hinrichten. Alleindie Motive dieses Mordes find bis jetzt noch im Dunkeln geblieben.Der Verhörrichter Amman wollte durchaus politische Motive entdeckenund begehrte von Baden und den Nachbarcantonen die Auslieferung unbe-scholtener Luzerner Flüchtlinge, was natürlich verweigert ward. Bei sol-chen Anzeichen boshafter Rache mehrten sich die Anlijesuitenvereine unddie Schützengesellschaften griffen energisch in die Bewegung ein. Es galt,die gesetzliche Mehrheit von 12^ Stimmen auf der Tagsatzuug zu ge-winnen, um die Jesuiten aus der Schweiz vertreiben zu können. Zu die-sem Zweck mußten einige schwankende ober conservative Regierungen ge-stürzt werden. Dies gelang zuerst in Waadt, wo Druey (14. Februar1845) eine radicale Regierung einsetzte; Zürick hatte überwiegend libe-rale Wahlen, woraus die Pietistenregierung, welche fich so gut mit denJesuiten verstand, abtrat; in Bern wurde die Verfassung in radicalemSinne revidtrt (31. Juli 1846). Die conservativen katholischen Cantone,Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug, Freiburg und Wallis bliebenihrerseits nicht müßig, sondern schloffen im September 1845 ein Schutz-und Trutzbündniß zur Wahrung ihrer Souverainetäts - und Territorial-rechte. Auch dieser „Sonderbund" war ein Ausnahmezustand, aber durchdie Freischaarenzüge gerechtfertigt. Die Tagsatzung warf den Antrag Zü-richs aus Auflösung des Sonderbundes, 1846, ab, weshalb die Radicalennoch andere Cantone für fich gewinnen mußten. Zunächst geschah dies inGenf, wo James Fazy einen Arbeiteraufstand erregte (7.October 1846),und die calvinistische Patrizierregierung stürzte. Darauf errangen die Ra.dicalen im großen Rath in St. Gallen und Baselstadt eine schwache Ma-jorität und brachten in Bern den Obersten Ochsenbein an die Shitze desVororts und der Tagsatzung. Nur in Freiburg scheiterte die liberale Frac-tion, als sie im protestantischen Bezirk Murten einen Aufstand versuchte(7. Januar 1847). Dessenungeachtet hatten die Radicalen jetzt die Mehr-heit. Am 20. Juli 1847 beschloß die Tagsatzung mit 12^ Stimmendie Auslösung des Sonderbundes und am 3. September die AusweisungderJesuiten. Alle Vermittelungsversuche schlugen bei den störrischen Son-derbündlern fehl, welche fich auf ihre Cantonalsouverainetät stützten undzu fest auf die Hilfe des Auslandes bauten. Indessen war das conserva-tive Ministerium Peel 1846 abgetreten und hatte Ruffel-PalmerstonPlatz gemacht. Palmerston wollte die französische Politik, welche ihn beider spanischen Heirath getäuscht hatte, compromittiren und begünstigte dieSchweiz gegen die absoluten Mächte und gegen Frankreich, das mit jenenliebäugelte. Er ließ der Tagsatzung durch den Botschafter Peel mitthei-len, sie möchte ihre Execution gegen den Sonderbund beeilen, er wolle